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Griechenland, Verhängnis oder Chance?


In seinem Festspiel „Die Ruinen von Athen“, das Beethoven so herrlich vertont hat, läßt A. v. Kotzebue ein griechisches Pärchen klagen: „Ach, was ist aus dir geworden? Armes, armes Vaterland“.
Was heute vorliegt, gibt dieser Elegie Berechtigung. Die Presse meldet, Griechenland benötige 135 Milliarden Euro. Die SZ will eine Gesamtschuld von 302 Milliarden Dollar ausgemacht haben.
Fürs erste wäre wohl die Zahlungsunfähigkeit dieses Staates abgewendet mit 45 Milliarden Euro. Spätestens im nächsten und übernächsten Jahr wird jeweils nochmal etwa die gleiche Summe benötigt, um die Gläubiger zu befriedigen. In allen Folgejahren sieht es nicht besser aus. Die Fälligkeit der Rückzahlungen bis 2019 ist u.a. in der Web-Seite der Süddeutschen Zeitung nachzulesen.
Die Banken sollen einspringen, heißt es. Die Banken indes sind es, die die meisten griechischen Staatsanleihen schultern, noch zu moderaten Zinsen. Sie erhalten ihr Geld nur zurück, wenn die Staaten und der IWF den griechischen Staatssäckel auffüllen. Analysten halten für möglich, daß sie einen Schuldenverzicht von bis zu 30 Prozent verkraften könnten.
Dabei ist allerdings nicht berücksichtigt, daß auf die Banken eine neue Krise zukommt. Innerhalb der nächsten zwei Jahre werden die meisten Geschäftsimmobilienkredite zur Rückzahlung fällig. Ihr Umfang, so vernimmt man, steht den geplatzten Wohnimmobilienkrediten nicht nach. In den amerikanischen Wirtschaftsnachrichten ist davon die Rede, daß daran jede dritte US-Bank zugrunde gehen werde.
Wie nun verhält es sich mit der Situation der Retter? Es ist durchaus nicht so, daß die Staaten das Geld hätten, das sie dem griechischen Staat leihen könnten. Sie sind selbst hoch verschuldet und müssen Kredite aufnehmen, die ein Teil von ihnen nur unter erschwerten Bedingungen (kurze Laufzeit, hohe Zinsen) gewährt bekommt. Einige von ihnen, Portugal, Irland, Italien, Spanien stehen selbst kurz vor der Zahlungsunfähigkeit.
Was sagt der Realismus zu dieser Situation? Gibt es eine Politik, die geeignet ist, den griechischen Staat zu retten? Sein Sparwille stößt an eine unüberwindliche Grenze, dort nämlich, wo die Bürger nicht mehr mitziehen und die Wirtschaft Schaden nimmt. Doch wird das, was bis zu dieser Grenze zu erzielen ist, reichen, um die Verpflichtungen zu erfüllen? Kein ernstzunehmender Beobachter der Lage hält das für möglich. Griechenland bliebe für das nächste Jahrzehnt am Tropf seiner Helfer hängen. Das aber überfordert diese, brächte sie selbst in den Bankrott.
Wenn wir also die Regierungen weiter wurschteln lassen, ist absehbar, daß es zunächst in Griechenland, dann auch in den anderen betroffenen Ländern zum Ausbruch von unkontrollierter Wut und Verzweiflung kommt, mit unabsehbaren Folgen.
Was tun?, fragt sich der aufgeschreckte Zeitgenosse. Der griechische Staat ist kaputt. Es gibt kein Mittel, ihn am Leben zu erhalten. Was wäre, wenn wir ihn bewußt sterben ließen?
Wir hatten eine ähnliche Situation in Deutschland am Ende des ersten Weltkriegs. Damals jedoch war der Staatsgedanke so verwurzelt, die Bedrohung aus den Nachbarländern so gegenwärtig, daß an eine Aufgabe der Staatlichkeit nicht zu denken war. Es mußte wieder ein starker Staat her – den wir dann ja auch erhielten.
Heute hat die Staatsgläubigkeit einige Einbußen erlitten, ist aber immer noch vorherrschend. Es ist uns, den Freiheitsdenkern, nicht gelungen (nicht zuletzt dank unserer Uneinigkeit), den Gedanken an ein Leben ohne Staat unseren Mitbürgern als Chance zu vermitteln.
Hans-Wolff Graf meint, daß in den Griechen das Freiheitsverlangen gleichwohl überwiege:
Wie kaum ein anderes Volk lieben die Griechen ihre natürliche Unabhängigkeit. Sie umgehen in nachbarschaftlichem DenkFühlHandeln und obrigkeitsaverser Autonomie geschickt alles, was sich ihnen in staatsautoritärer Weise in den Weg stellt. Sie haben schlichtweg satt, etatistisch programmiert und bürokratisch gegängelt zu werden - ehedem von Athen, nun zunehmend von Brüssel, Luxemburg und Straßburg. Im Gegensatz zu Deutschen, Österreichern, Niederländern und Nordeuropäern (nicht unähnlich hingegen Süritalienern, Spaniern und Portugiesen!) lehnen die Griechen omnipräsente staatliche Gouvernance ab; sie wollen ihr Leben in frei gewählter Akkordanz mit Freunden und Nachbarn, bitteschön, selbst gestalten. Daß sie dabei - kreativ, mitunter gar schlitzohrig - immer wieder Mittel und Wege suchen und finden, systemische Barrieren zu umgehen, kann ihnen, bei Verzicht auf teutonische Staatsgläubigkeit und scheinheilige Polit-Rhetorik, niemand verargen.
Ein ungemein hoffnungspendender Gedanke. Statt chaotischer Zustände, die zunächst die eigene Polizei und Armee, dann möglicherweise Streitkräfte der NATO zu beseitigen versuchen (ein Neu-Afghanistan), und dann, nach unendlich viel Leid, ein von außen aufgepfropftes Staatswesen, das nicht zu halten ist. Statt dessen ergriffen die Griechen die Chance der Freiheit, zeigten allen Verführern, Bevormundern, Wohltätern, Betreuern die kalte Schulter und nähmen ihr Geschick in die eigene Hand. Und die Staatengemeinschaft schaut zu, duldet es, in der klugen Einsicht, daß für einen Krieg gegen freiheitverlangende Griechen ihnen am Ende die Gefolgschaft der Wähler fehlen wird.
Wenn die Mehrheit der Entscheider den Realitäten gefaßt ins Auge sähe, könnte man auch einen Staat geordnet abwickeln – wie die Insolvenz eines Unternehmens der Industrie. Dann brauchten unter anderem auch die Staatsbediensteten möglicherweise nicht vollständig auf ihre Gehalts- und Pensionsansprüche zu verzichten.
Sollte von den Griechen erneut das Fanal der Freiheit in die Welt getragen werden?
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