Die föderalistische Idee.

Anlaß und Grundlagen.

Ob die Staaten je segensreich waren für ihre Bürger, steht dahin. Zur Zeit, nachdem die Menschheit eine Entwicklungsstufe erreicht hat, die die Eigenbrötelei machtvoller Einrichtungen, die Kriege nicht mehr erträgt, sind sie zum Verhängnis geworden. Sie drohen, die Menschheit in einen Kollaps zu stürzen.
Viele setzen auf weniger Staat. Indessen, kein Reformieren, kein Zurechtstutzen kann dem Staat seine ihm unveränderlich innewohnenden verhängnisvollen Eigenschaften nehmen. In ihm erfolgt der Machtfluß unvermeidlich von oben nach unten, die Einflußmöglichkeiten der Bürger bleiben beschränkt (Ohnmacht ist nicht nur ein verbreitetes Gefühl, sie ist Realität). Die Regierenden, abhängig von Wahl und Wiederwahl, müssen das Wohl der Bürger ihres Landes im Auge haben, was sie zwangsläufig in Gegensatz zu denen anderer Länder bringt (oft bis zum Krieg) und das Wohl der Menschheit als ganzes ausgrenzt. Die sozialen Probleme lassen sich von oben nach unten auf eine jedermann gerecht werdende Weise nicht lösen, was, statt gesicherter Verhältnisse, die Dauerreform zur Folge hat. Der Zwang, alles von oben regeln zu sollen, erzeugt einen Gesetzeswust, den niemand mehr durchschaut und Recht zum Unrecht entarten läßt.
Solange es Staaten gibt, ist aufgrund der ihnen eigenen Selbstsucht an Frieden nicht zu denken. Sie aufzulösen ist eine Bedingung, ohne die nichts mehr geht.
Die vorhandene absolute Tötungsmacht, die Endlichkeit der Ressourcen und der Zwang zur Bewahrung der Lebensgrundlagen verlangen nach einer Ordnung, die dauerhaft Frieden gewährleistet und das Bewältigen der alle Menschen berührenden Probleme ermöglicht.
Für Kompromisse, für Halbheiten ist nicht mehr die Zeit. Kleingläubig nach den vermeintlichen Verwirklichungsaussichten zu fragen, verliert seinen Sinn. Maßgebend kann nur sein, was nötig ist und die Anforderungen erfüllt.
Die föderalistische Ordnung, die hier vorgeschlagen wird, hat sich in begrenzten Bereichen als Frieden bringend und Wohlstand fördernd bewährt. Es gibt keinen erkennbaren Grund, warum sie in Gegenwart und Zukunft und in größerem, weltweiten Bereich nicht funktionieren sollte. Sie ist die einzig denkbare Ordnung, die in ihrem Inneren fortwährend Veränderung zuläßt ohne ihre frieden- und umwelterhaltende Substanz zu verlieren.
Zu begrüßen wäre, wenn es gelänge, diese Ordnung zu ermöglichen, nachdem die Staaten über eine Mehrheitsentscheidung friedlich zur Auflösung gebracht worden sind. Noch ist dazu Gelegenheit, doch sie schwindet mit jedem Tag.
Zu fürchten ist, daß bei Fortgang der auf ihre Bürger zukommenden Belastungen unkontrollierte Wut und Verzweiflung die Staaten beseitigt.
Für diesen Fall (Minimalziel) ist den Überlebenden nahezulegen, nicht erneut irgendwelchen Verführern zu folgen, sondern ihr Geschick selbst in die Hand zu nehmen. Die Menschen und Gemeinden die es heute bereits vollziehen, werden politisch korrekt unter die Wucht hoheitlicher Fürsorge zurückgebombt. Den zur Freiheit Entschlossenen dagegen ist die soziale Verteidigung vom Verständnis der Freiheit her vorgeschrieben.
Das Angebot der Freiheit.

Nach Auflösung der Staaten ist den Menschen angeraten, sich das Recht der Selbstbestimmung nicht mehr nehmen zu lassen. Sie dürfen keine Einschränkung der Freiheit dulden. Denn wäre eine Begrenzung tragbar, gäbe es für eine zweite keinen Ablehnungsgrund. Damit wäre erneut einem Zustand Tür und Tor geöffnet, in welchem Freiheit versprochen, aber nicht erteilt wird.
Zwänge legen dem Menschen die Natur auf und die gegenseitige Abhängigkeit. Wie er ihnen begegnet, muß ihm überlassen bleiben. Allgemeingültige Handlungsbegrenzungen und, was diese unvermeidlich nach sich ziehen, eine Kontroll- und Durchsetzungsgewalt, sind nicht nur überflüssig, sondern in hohem Grad konterkarierend.
Die überkommene Ethik eines indigenen Stammes am Amazonas nimmt sich vermutlich in Teilen anders aus als die Moral der Bewohner von downtown Manhattan, dürften sie sich selbst eine geben. Doch beide Verhaltensregeln haben den Vorzug, daß ohne Not kein Mitglied dieser Gruppen gegen sie verstößt.
Jeder Mensch muß sich aussuchen dürfen, in welche Gemeinschaft er sich einfügt und welcher Moral er sich damit unterwirft.
Der Mensch aller Farben besitzt seit Jahrtausenden gleiche unverzichtbare Grundbedürfnisse. Nach in der Wissenschaft einhelliger Auffassung sind dies: Soziale Anerkennung, Sicherheit und Geborgenheit, ein Vorschuß an Vertrauen, Selbstachtung sowie Unabhängigkeit und Freiheit. Eine Gesellschaftsordnung, die Bestand haben soll, darf diese Bedürfnisse nicht unbeachtet lassen
Die Staaten verletzen diese Bedürfnisse, vor allem das Verlangen nach Selbstständigkeit, das nach Selbstachtung und das nach Geborgenheit.