Föderalistische Partei Deutschlands 
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Die föderalistische Idee.


Anlaß und Grundlagen.

Ob die Staaten je segensreich waren für ihre Bürger, steht dahin. Zur Zeit, nachdem die Menschheit eine Entwicklungsstufe erreicht hat, die die Eigenbrötelei machtvoller Einrichtungen, die Kriege nicht mehr erträgt, sind sie zum Verhängnis geworden. Sie drohen, die Menschheit in einen Kollaps zu stürzen.
Viele setzen auf weniger Staat. Indessen, kein Reformieren, kein Zurechtstutzen kann dem Staat seine ihm unveränderlich innewohnenden verhängnisvollen Eigenschaften nehmen. In ihm erfolgt der Machtfluß unvermeidlich von oben nach unten, die Einflußmöglichkeiten der Bürger bleiben beschränkt (Ohnmacht ist nicht nur ein verbreitetes Gefühl, sie ist Realität). Die Regierenden, abhängig von Wahl und Wiederwahl, müssen das Wohl der Bürger ihres Landes im Auge haben, was sie zwangsläufig in Gegensatz zu denen anderer Länder bringt (oft bis zum Krieg) und das Wohl der Menschheit als ganzes ausgrenzt. Die sozialen Probleme lassen sich von oben nach unten auf eine jedermann gerecht werdende Weise nicht lösen, was, statt gesicherter Verhältnisse, die Dauerreform zur Folge hat. Der Zwang, alles von oben regeln zu sollen, erzeugt einen Gesetzeswust, den niemand mehr durchschaut und Recht zum Unrecht entarten läßt.
Solange es Staaten gibt, ist aufgrund der ihnen eigenen Selbstsucht an Frieden nicht zu denken. Sie aufzulösen ist eine Bedingung, ohne die nichts mehr geht.
Die vorhandene absolute Tötungsmacht, die Endlichkeit der Ressourcen und der Zwang zur Bewahrung der Lebensgrundlagen verlangen nach einer Ordnung, die dauerhaft Frieden gewährleistet und das Bewältigen der alle Menschen berührenden Probleme ermöglicht.
Für Kompromisse, für Halbheiten ist nicht mehr die Zeit. Kleingläubig nach den vermeintlichen Verwirklichungsaussichten zu fragen, verliert seinen Sinn. Maßgebend kann nur sein, was nötig ist und die Anforderungen erfüllt.
Die föderalistische Ordnung, die hier vorgeschlagen wird, hat sich in begrenzten Bereichen als Frieden bringend und Wohlstand fördernd bewährt. Es gibt keinen erkennbaren Grund, warum sie in Gegenwart und Zukunft und in größerem, weltweiten Bereich nicht funktionieren sollte. Sie ist die einzig denkbare Ordnung, die in ihrem Inneren fortwährend Veränderung zuläßt ohne ihre frieden- und umwelterhaltende Substanz zu verlieren.
Zu begrüßen wäre, wenn es gelänge, diese Ordnung zu ermöglichen, nachdem die Staaten über eine Mehrheitsentscheidung friedlich zur Auflösung gebracht worden sind. Noch ist dazu Gelegenheit, doch sie schwindet mit jedem Tag.
Zu fürchten ist, daß bei Fortgang der auf ihre Bürger zukommenden Belastungen unkontrollierte Wut und Verzweiflung die Staaten beseitigt.
Für diesen Fall (Minimalziel) ist den Überlebenden nahezulegen, nicht erneut irgendwelchen Verführern zu folgen, sondern ihr Geschick selbst in die Hand zu nehmen (wie es Menschen und Gemeinden bereits heute vollziehen, wo keine Staatsgewalt sie erreicht).
Das Angebot der Freiheit.

Nach Auflösung der Staaten ist den Menschen angeraten, sich das Recht der Selbstbestimmung nicht mehr nehmen zu lassen. Sie dürfen keine Einschränkung der Freiheit dulden. Denn wäre eine Begrenzung tragbar, gäbe es für eine zweite keinen Ablehnungsgrund. Damit wäre erneut einem Zustand Tür und Tor geöffnet, in welchem Freiheit versprochen, aber nicht erteilt wird.
Zwänge legen dem Menschen die Natur auf und die gegenseitige Abhängigkeit. Wie er ihnen begegnet, muß ihm überlassen bleiben. Allgemeingültige Handlungsbegrenzungen und, was diese unvermeidlich nach sich ziehen, eine Kontroll- und Durchsetzungsgewalt, sind nicht nur überflüssig, sondern in hohem Grad konterkarierend.
Die überkommene Ethik eines indigenen Stammes am Amazonas nimmt sich vermutlich in Teilen anders aus als die Moral der Bewohner von downtown Manhattan, dürften sie sich selbst eine geben. Doch beide Verhaltensregeln haben den Vorzug, daß ohne Not kein Mitglied dieser Gruppen gegen sie verstößt.
Jeder Mensch muß sich aussuchen dürfen, in welche Gemeinschaft er sich einfügt und welcher Moral er sich damit unterwirft.
Der Mensch aller Farben besitzt seit Jahrtausenden gleiche unverzichtbare Grundbedürfnisse. Nach in der Wissenschaft einhelliger Auffassung sind dies: Soziale Anerkennung, Sicherheit und Geborgenheit, ein Vorschuß an Vertrauen, Selbstachtung sowie Unabhängigkeit und Freiheit. Eine Gesellschaftsordnung, die Bestand haben soll, darf diese Bedürfnisse nicht unbeachtet lassen
Die Staaten verletzen diese Bedürfnisse, vor allem das Verlangen nach Selbstständigkeit, das nach Selbstachtung und das nach Geborgenheit. Das hat das Verhalten ihrer Bürger geändert. Es hat ihnen Ehrgefühl und Stolz genommen.
Heute hat es den Anschein, als zöge eine Mehrheit es vor, sich regieren und betreuen zu lassen. Die darin zum Ausdruck kommende Resignation jedoch ist alles andere als unbedenklich. Sie vermittelt nicht nur Psychiatern Hochkonjunktur, sie verstärkt auch Gleichgültigkeit und Unbedenklichkeit, mindert die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft.
Das gezeigte Verhalten entspricht nicht dem Wesen des Menschen. Es ist den Umständen geschuldet. Aber es hat das gegenseitige Mißtrauen geweckt. Und das ist wahrscheinlich das bedeutungsvollste Hindernis auf dem Weg zu einer föderalistischen Weltgesellschaft.
Behauptet wird, die föderalistische Gesellschaft benötige einen anderen Menschen. Tatsächlich setzte ihr nicht Bösartigkeit zu. Die jedermann eigene Selbstsucht, leistungsfördernd nach A. Smith, würde durch Eigenverantwortlichkeit und Moralgültigkeit aufgewogen. Verderblich wären Schwachköpfe, wenn ausschließlich sie das Sagen bekämen (Mit dem Erringen der Freiheit dürfte weder alles Wissen, alle Erfahrung verloren gehen noch jede Tugend. Nachdem die erste (verständliche) Wut sich entladen hat, pflegen sich positive Empfindungen durchzusetzen und anzuhalten).
Zur autonomen Gemeinde.

Den meisten Menschen, in die Freiheit entlassen, wird nichts anderes übrig bleiben, als sich mit anderen zusammenzuschließen, um gemeinsam zu regeln, was der Regelung bedarf. Ein solcher Zusammenschluß wird im allgemeinen als Gemeinde (community) bezeichnet.
Wenn die Freiheit erhalten bleiben soll, muß für sie gelten: Gemeinde ist, wer Gemeinde sein will. Es darf keine Vorgabe geben, etwa was ihren Umfang oder ihre Mitgliederzahl anbetrifft. Unsinnige Gebilde werden von selbst zerfallen. Größere Gemeinden müssen jederzeit Abspaltungen zulassen.
Es ist davon auszugehen, daß die freien Gemeinden übereinkommen, Streitigkeiten, anfangs insbesondere über Grenzziehungen, durch ein dazu eingerichtetes Gericht entscheiden zu lassen.
Den Mitgliedern der Gemeinden bleibt freigestellt, wie sie den Umgang miteinander regeln und wie sie zu für alle geltende Entscheidungen gelangen. Anzunehmen ist, daß in der Mehrheit direkt demokratische Lösungen gewählt werden. Denkbar, erlaubt, aber bleibt auch jede andere Lösung.
Es wird zu tief religiös verfaßten Gemeinden ebenso kommen wie zu völlig freisinnigen, zu kapitalistisch orientierten wie zu kommunistischen, zu heterosexuell veranlagten wie zu homosexuellen. Die Gemeinde kann ihre innere Verfassung so oft ändern, wie sie will.
Über das, was die Mitglieder einer Gemeinde mit ihrer Selbstbestimmung anstellen, haben die Nachbargemeinden nicht zu rechten. Sie werden sich ihrerseits verbitten, daß ihnen irgendjemand vorschreibt, wie sie sich zu konfigurieren haben.
Befürchtet wird, daß häufig eine Gemeinde über eine andere herfällt. Das ist zwar in den geschichtlichen Beispielen (Island, Dithmarschen, Eidgenossenschaft) in den Jahrhunderten, die sie existierten, nicht vorgekommen (Junge Eidgenossen, die den Waffengang suchten, mußten sich beim Papst verdingen). Die freien Gemeinden der Geschichte aber waren recht homogen. Das ist bei freier Föderalisierung heute nicht mehr der Fall. Die unmittelbare Nachbarschaft von ethnisch und religiös unterschiedlichen Gemeinden kann eher zu Konflikten führen.
Auch ein Gemeindekrieg wird nicht ohne Blutvergießen abgehen. An seinem Ende jedoch wird nicht die Vernichtung einer Gemeinde stehen. Denn das kann die Gemeinschaft der Gemeinden nicht dulden. Dazu braucht sie nicht eine bestimmte Gestalt oder Körperschaft zu haben und keine Polizeikräfte. Es genügt eine freie Presse, die es fraglos gäbe (weil es niemanden gibt, der sie einschränken könnte). Jedermann wäre klar, daß, wenn eine Gemeinde vernichtet werden dürfte, alle Freiheit und nicht nur sie ein Ende hätte.
Am Schluß jeder Auseinandersetzung daher sind verfeindete Gemeinden gehalten, einen modus vivendi zu finden. Dieser Zwang besteht und er wird mit Sicherheit durchgesetzt werden.
Menschen, einmal in den Genuß der Freiheit gekommen, geben sie freiwillig nicht wieder her – und finden geeignete Mittel, sie zu erhalten.
Zum Sozialausgleich.

Die Geschichte weist aus, daß Selbständigkeit in der Daseinsvorsorge effektiver und humaner ist als die Betreuung durch die Gesellschaft. Heute erhält, wie das Statistische Bundesamt darlegt, in Deutschland nur etwa die Hälfte derer, die Anspruch auf Sozialhilfe haben, tatsächlich eine Hilfe. Viele sind zu stolz, sie anzunehmen, andere scheuen die Offenlegung ihrer persönlichen Verhältnisse.
In Gemeinden, deren Mitglieder sich entschieden haben, für Notfälle selbst Vorsorge zu treffen, wird dennoch niemand, der - wodurch auch immer – in Bedrängnis geraten ist, verhungern oder erfrieren. Allerdings wird jeder in Not Befindliche sich bemühen, seinen Nachbarn nicht länger als nötig auf der Tasche zu liegen - andernfalls wird er sich wohl sanftem und, hilft das nicht, auch weniger sanftem Druck ausgesetzt sehen.
Denkbar ist auch, daß die Mitglieder einer Gemeinde sich entschließen, auf private Einkünfte zu verzichten, statt dessen in eine gemeinsame Kasse zu wirtschaften, aus der jeder erhält, wessen er bedarf.
Einzelne Reiche werden sich auf eine einsame Insel zurückziehen. Die Mehrheit von ihnen aber wird sich gezwungen sehen, sich in eine Gemeinde einzubringen.
Es wird zu Gemeinden aus lauter Reichen ebenso kommen wie zu solchen aus lauter wenig Begüterten. Inwieweit die reichen Hilfen leisten werden, muß offen bleiben. Bei der Erhebung der Abgaben an die Gebietskörperschaften aber (siehe unten) wird sich ergeben, daß von den reichen Gemeinden und Regionen jeweils höhere Leistungen erwartet werden als von den ärmeren. Inwieweit deren Stolz allerdings zuläßt, sich gar nicht zu beteiligen, bliebe reizvoll abzuwarten.
Der Ausbeutung von Abhängigen durch Grundbesitzer und Unternehmer ist ein dauerhafter Riegel vorgeschoben. Denn deren Stützung durch die Staaten ist nicht mehr gegeben. Sie sind fortan gezwungen, sich mit den nunmehr Mächtigen, ihren Arbeitern und Angestellten, den freien Bürgern freier Gemeinden, zu arrangieren.
Zu den Menschenrechten.
Damit niemand durch die Gemeinschaft einen Schaden an seiner Seele, seinem Geist oder seinem Körper erleidet, muß er zum einen sicher sein, daß er von seiner Gemeinde nicht gegen seinen Willen ausgewiesen wird, zum anderen auswandern kann, wenn es ihm beliebt – aus welchen Gründen auch immer.
Das Heimatrecht werden die Gemeinden aus eigenem Interesse keinem ihrer Bürger verweigern, denn täten sie es, würden sie in einer Welt, in der es zwischen den Gemarkungen vermutlich keine Lücken gibt, mit den Ausgestoßenen anderer Gemeinden konfrontiert.
Das Recht auf Abwanderung allerdings kann nur wahrnehmen, wer sich in einer anderen Gemeinde die Zuzugsgenehmigung verschafft hat.
Eine Gemeinde, die einem Mitglied das Recht der Abwanderung verwehrte, setzte sich mit Sicherheit einer in der Öffentlichkeit erhobenen Zurechtweisung aus. Sperrte sie ihr Mitglied dennoch ein, fiele sie einer Ächtung anheim, die sicher nicht nur Gewicht hätte, sondern auch Nachteile erbrächte.
Im Gegensatz zu den Grundrechten, die den Menschen heute von den UN, der EU, den Verfassungen ihrer Staaten zugesprochen, aber nicht eingehalten werden, kann der Mensch einer föderalistischen Zukunft davon ausgehen, daß ihm die beschriebenen beiden Rechte nicht vorenthalten werden.
Zur Föderalisierung.

Die Gemeinden sind nicht gezwungen, sich mit anderen zusammenzuschließen. Die meisten aber werden es wahrscheinlich tun, um durch den Zusammenschluß Dinge erledigt zu erhalten, die sie für sich allein nicht bewältigen können, auch um Streitigkeiten untereinander zu schlichten.
Anzunehmen ist, daß es zu kreisähnlichen, dann zu bezirksähnlichen Zusammenschlüssen kommt, zu Ländern, die möglicherweise weitgehend die Ethnien vereinen, zu Föderationen, die wahrscheinlich Kulturkreise umgreifen, und schließlich zum Weltbund.
Spielen wir einmal eine mögliche Entwicklung durch. Die Juden in Berlin sehen die Chance gegeben, erneut eigene Gemeinden zu gründen. Die Ghettos früherer Zeiten waren ja nicht, wie heute vielfach angenommen, dazu da, die Juden auszugrenzen, sondern sie sind – historisch nachgewiesen – von den Juden gefordert worden. Die Juden verlangten damals von den Stadtverwaltungen, ihnen ein abgeschlossenes Gebiet zu geben, in welchem sie nach ihrem Gusto leben könnten (Sabbat einhalten usw.).
Nehmen wir einmal an, es gäbe drei Synagogen in Berlin, die in voneinander entfernten Stadtteilen liegen. Um sie herum wohnen schon einige jüdische Familien und so bietet sich an, in ihrem Umkreis jeweils eine Gemeinde zu gründen. Daraus erwächst das Bestreben, die freien und frei werdenden Wohnungen mit Judenfamilien, die dies wollen, zu besetzen. Andere Judenfamilien versuchen mit Andersgläubigen die Wohnungen zu tauschen. Kurzum, es entstehen in Berlin drei Judengemeinden.
Aus versorgungstechnischen Gründen schließen sich zwei von ihnen mit ihren deutschen, türkischen oder vietnamesischen Nachbargemeinden zu einem Stadtkreis zusammen. Eine bleibt selbständig, weil sie eine eigene Wasserversorgung hat, eine eigene Pflanzenkläranlage und sich auch mit Strom selbst über Dachsolaranlagen versorgt. Aus irgendeinem Grund will sie auch dem umgebenden Stadtbezirk und der Stadt Berlin nicht beitreten, sondern schließt sich als Einzelmitglied dem Land Brandenburg an.
Alle Judengemeinden in Europa allerdings gehen zur Wahrnehmung ihrer Glaubensinteressen einen Bund ein, der von der Einwohnerzahl her Ländercharakter hat, so wie übrigens auch die Vereinigung der Türken-, Araber und Afrikanergemeinden in Europa.
Eurojudäa vereinigt sich mit Amerikajudäa, Nahost- und Fernostjudäa zur Jüdischen Föderation.
Randbemerkung: Im nahen Osten wird es auch in hundert Jahren keinen Frieden geben, solange das Staatensystem beibehalten wird. Friede ist nur herzustellen, wenn die über das Land verteilten jüdischen und arabischen Gemeinden selbständig ihren eigenen Weg gehen dürfen.
Der Weltbund setzt sich also zusammen aus Föderationen, die vermutlich sämtlich kein geschlossenes Gebiet umgreifen, sowie aus selbständig bleiben wollenden Ländern, Bezirken und Gemeinden.
Dem Weltbund allerdings wird auch die eigenwilligste Gemeinde und Region beitreten, denn nur durch ihn kann sie Schutz erhalten gegen Übergriffe der Nachbarn.
Die Gemeinden erteilen ihrem Zusammenschluß jeweils nur einen oder zwei eng umrissene Aufgaben, desgleichen die Kreise den Bezirken, die Bezirke den Ländern.
Der Weltbund wird zwangsläufig die Aufgabe erhalten, die Lebensgrundlagen auf der Erde zu bewahren und das Gemeingut der Menschheit, die Pole, das Weltmeer, die Atmosphäre, den erdnahen Weltraum usw., zu verwalten. Dazu richtet der Weltrat zwei oder drei Ämter ein, die er rechtlich begrenzt mit Aufgaben versieht und deren Wirken er kontrolliert.
Die Parlamente aller Ebenen verfahren entsprechend. Sie richten Ämter ein, versehen sie mit Aufgaben und kontrollieren ihr Wirken. Dazu müssen sie in der Regel nur ein- oder zweimal im Jahr für wenige Tage zusammentreten. Die Parlamentsmitglieder können also in ihrer Heimatgemeinde wohnen bleiben und ihr Abgeordnetenmandat als Nebentätigkeit erfüllen.
Um Parteien und deren Ideologien zu vermeiden, ist zu empfehlen, die Parlamente der höheren Ebenen jeweils aus Mitgliedern des jeweils niederen Parlaments zu besetzen. Die Gemeinde schickt also, sagen wir mal, zwei Abgeordnete in den Kreistag, dieser wählt aus seiner Mitte zwei Mitglieder zu Abgeordneten in den Bezirkstag, dieser zwei in den Landtag, dieser zwei in den Föderationsrat, dieser zwei in den Weltrat.
Auf diese Weise könnte folgender Fall eintreten: Ein Bauer aus Kleinkleckersdorf wird von seiner Gemeinde in den Kreistag gewählt, dieser schickt ihn in den Bezirkstag, dieser weiter, so daß er schließlich im Weltrat sitzt. Dieser wählt ihn zu seinem Präsidenten.
Damit hätte die Welt ein Oberhaupt. Indessen eines ohne Palast und Ehrengarde. Seine Funktion übte er einmal bei der Frühjahrs-, einmal bei der Herbstversammlung des Weltrats aus. Die anderen fünfzig Wochen im Jahr bestellte er seine Felder.
Eine Weltregierung gibt es nicht. Die vermutlich drei Weltämter werden von Vorstehern geleitet, die ihre eng umrissenen Aufgaben haben. Politik findet nicht mehr statt.
Unerläßlich ist ein Weltgericht. Die Maßstäbe, die ihm der Weltrat setzt, sollten im Wesentlichen nur festlegen, daß, wer einen Schaden anrichtet, ihn beseitigen muß. Wobei er zum einen darauf verzichten sollte zu definieren, was ein Schaden ist und wann die Beseitigung als gegeben angesehen wird. Das sollte der freien Rechtschöpfung des Gerichts überlassen bleiben. Zum anderen sollte er sich enthalten, Strafen zu bestimmen. Auch, was weh tut, ist zu unterschiedlich, als daß dem Gericht vorgeschrieben werden müßte, was es verfügen darf. Dem Gericht sollte allerdings untersagt werden, über Geldstrafen sich oder den Einrichtungen des Weltbunds eigene Einkünfte zu verschaffen.
Zur Finanzierung der Gebietskörperschaften.

Den Gemeinden ist dringend angeraten, sich das Recht zur Besteuerung vorzubehalten und ihren Vereinigungen keine eigenen Einkünfte zuzubilligen Sie sollten die Körperschaften, die sie begründen, ausschließlich über aufgabenbezogene Beiträge mit den benötigten Mitteln ausstatten.
Das könnte sich so gestalten: Die Weltämter melden beim Weltrat zu dessen Frühjahrssitzung ihren Finanzbedarf für das nächste Jahr an. Der Rat prüft die Berechtigung dieser Forderung und teilt dann den Föderationen nach deren Umfang und Vermögen den von ihnen aufzubringenden Anteil zu.
Die Föderationen lassen sich von ihren Ämtern ihren Bedarf melden und teilen ihren Gesamtbedarf (Eigenbedarf und Weltbundanteil) auf die Länder und Bezirke auf, wobei sie wiederum deren unterschiedliche Leistungsfähigkeit zu berücksichtigen versuchen. Die Länder und Bezirke verfahren entsprechend.
Was am Schluß die Gemeinden aufzubringen haben, ist sicherlich beträchtlich, steht aber in keinem Verhältnis zu den Leistungen, die von den Bürgern heute aufzubringen sind. Denn die Staaten mit ihren Armeen, ihren Gipfeltreffen und Vertretungen, ihrem Sicherheits- und Sozialgehabe fallen weg.
Für die nicht einer größeren Vereinigung beigetretenen Gemeinden und Körperschaften wird sicher ein Weg gefunden werden, sie anteilig an den Kosten der höheren Ebene zu beteiligen.
Die Schulden, die die Staaten angehäuft haben, werden von den föderalistischen Gemeinschaften abgetragen werden müssen. Da sie mit jedem Tag größer werden, steht zu hoffen, daß den Staaten möglichst bald das Handwerk gelegt wird.
Wie die Gemeinden ihren Säckel füllen, bleibt ihnen überlassen. Sie können die Löhne besteuern oder die Laster oder sich irgendein anderes Mittel einfallen lassen.
Zum Geld.
Es ist davon auszugehen, das unterschiedliche Angebote für die Nutzung von Währungen wahrgenommen werden. Es werden vermutlich Freigeldmodelle ausprobiert werden. Andernfalls wird mit Sicherheit Privatgeld angeboten werden, das einen Sachwert deklariert.
Zur Wirtschaft.
Eine Beeinflussung der Wirtschaft ist den Gemeinden nur in sehr begrenztem Umfang gegeben. Ob die Gemeinden ihren Vereinigungen eine Beschränkung oder Stützung der Wirtschaft aufgeben, steht dahin. Anzuraten ist ihnen das nicht.
Es wird sich also vermutlich ein völlig freier Markt einstellen, was, wie kluge Ökonomen meinen, kein Nachteil ist.
Zur Bildung.
Möglicherweise nehmen die Gemeinden die Grundschulung ihrer Kinder wieder in die eigene Hand. In den ersten Schuljahren erzielen Zwergschulen ohnehin bessere Lern- und Lehrerfolge als die großen Gemeinschaftsschulen, wie Experten nachgewiesen haben.
Weiterführende Schulen und Universitäten werden wahrscheinlich überwiegend von privater Seite betrieben werden. Sie geben bekannt, welche Eingangsvoraussetzungen sie verlangen und stellen durch Aufnahmeprüfungen fest, ob sie gegeben sind. Das gibt den grundlegenden Schulen einen Anhalt für die zu erreichenden Lehrziele.
Die Gemeinden werden es sich sicher nicht nehmen lassen, begabte Schüler zu unterstützen, deren Eltern die Gebühren für den Besuch der geeigneten Bildungseinrichtung nicht aufbringen können.
Zu Terrorismus und Kriminalität.

Mit dem Austrocknen der Ideologien und der Befriedigung auch des ausgefallensten Fundamentalismus ist dem Terrorismus der Boden entzogen.
Auch die Bandenkriminalität ist ein Produkt der Staaten. Einer Mafia geht es darum, ein staatliches Verbot zu umgehen (Drogengebrauch, Glücksspiel, Prostitution) oder Schlupflöcher zu nutzen, die die Gesetze lassen.
Wie die Gemeinden im Hinblick auf für Geist oder Körper Schädliches verfahren, muß offen bleiben. Diejenigen Gemeinden, die ein Verbot verfügen, werden Mittel und Wege finden, das Verabscheute fernzuhalten (ohne Geheimdienst und Sonderkommando).
Im übrigen dürfte für jede Nachfrage der Markt den Preis bestimmen, ohne jene Risikoaufschläge, die aus der Illegalität herrühren. Das nimmt den Banden den Wind aus den Segeln.
Von entscheidender Bedeutung ist, daß im föderalistischen Endzustand jeder Mensch Mitglied einer funktionierenden Gemeinde ist (von den paar Einsiedlern abgesehen). Er ist damit einer Moral unterworfen, die mutmaßlich mehrheitlich unrechtmäßige Bereicherung und Gewalthandlungen brandmarkt. Das schließt Verstöße nicht aus, dürfte sie aber doch wesentlich reduzieren.
Zu Katastrophen.

Denkbar sind nur mehr Naturkatastrophen.
Wie schon jetzt wird es sicherlich weiterhin Hilfsorganisationen geben, die sich aus Spenden finanzieren.
Zur Entwicklungshilfe.
Möglich ist, daß, wenn es überhaupt noch zur friedlichen Auflösung der Staaten kommt, sie in den USA ihren Anfang nimmt, wo es schon Tausende von Gemeinden gibt, die sich aus dem Staat ausgeklinkt haben (gated, intentional, lifebootcommunities), andernfalls in Europa.
Die nordamerikanischen und europäischen Gemeinden, sobald sie sich konsolidiert haben, könnten Patenschaften für die neu sich gründenden Gemeinden in den anderen Erdteilen übernehmen, um ihnen etwas auf die Sprünge zu helfen.
Zu Globalisierung und Gigantismus.

Der Föderalismus führte von sich aus zu kleinflächiger Landwirtschaft, zu regionaler Lebensmittelversorgung, zu klein- und mittelständischer Wirtschaft und zu dezentraler Energieversorgung.
Der Macht des großen Geldes wird das Rückgrat gebrochen. Es gibt keinen Staat mehr, der die global player stützen und Bewohner oder Besitzer enteignen oder zu etwas zwingen kann (Ein föderalistischer Weltbund dürfte die indigenen Völker schützen, ihnen ihren Lebensraum erhalten).
Damit behebt der Föderalismus, ohne daß es einer Reglementierung bedürfte, die Menschheit vieler weiterer ihrer gegenwärtigen Probleme.

De profundis clamamus.

Wir stehen am Abgrund. Doch es gibt einen Weg aus der Bedrängnis.
Seit Platon kennt die Menschheit unterschiedliche Verfahren für die Gestaltung von Gesellschaft. Sie haben eines gemeinsam: sie schreiben uns Menschen Verhaltens- und/oder Ordnungsmuster vor.
Der Föderalismus in seiner hier dargelegten Form ist die einzige Idee, die den Menschen ohne jede Vorgabe in die Selbständigkeit entläßt. Er geht davon aus, daß jedwede Einschränkung nicht nur unnötig, sondern verhängnisvoll ist. Dies nicht nur, weil die erste Restriktion unvermeidlich die zweite nach sich zieht, sondern weil damit Macht erneut an eine übergeordnete irdische Instanz gegeben wird, womit alle Freiheit und damit auch der Friede ein Ende hat.
Karl-August Hansen

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