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Des Irrtums manische Macht


Eugène Ionesco behauptete, daß die Intellektuellen seit dem Zweiten Weltkrieg nichts anderes getan hätten, als sich zu irren.

Bei den maßgebenden Entscheidungen, denen wir heute ausgeliefert sind, handelt es sich vorgeblich um solche, zu denen es keine Alternative gibt. Unabhängig davon, ob das wirklich der Fall ist, wirft die Betrachtung dessen, was heute gilt und wirkt, Fragen auf.
Der Bürgerkrieg in Bosnien wurde durch den Vertrag von Dayton beendet. Er zwingt die drei verfeindeten Volksteile in eine Föderation. Der Friede wird durch eine kampfkräftige UN-Truppe aufrecht erhalten. Sie sollte anfänglich nur ein Jahr im Land verbleiben. Wann sie tatsächlich abziehen kann, ist nach 14 Jahren völlig offen. Denn die Bevölkerung dort enttäuscht ihre Wohltäter schwer.
Das führt zu der Frage: Besteht berechtigte Aussicht, daß eines nicht mehr fernen Tages die Serben in Bosnien nicht mehr zur Vereinigung mit ihren Brüdern in Serbien drängen werden, die Kroaten nicht mehr nach Kroatien und die Muslime nicht mehr nach Selbstverwaltung?
Im Irak muß der tägliche Tod auf den Straßen und Plätzen beendet werden, den die Bush-Administration mit ihrem Krieg verursacht hat. Doch darf erwartet werden, daß nach dem irgendwann unvermeidlichen Abzug der US-Truppen das Sterben ein Ende hat und dieser Staat erhalten bleibt? Werden die Kurden ihre weitgehend errungene Autonomie zugunsten der Staatseinheit wieder aufgeben? Werden Schiiten und Sunniten ihre Feindschaft dauerhaft begraben?.
Von Afghanistan berichten die heimkehrenden Soldaten (bemerkenswerterweise vorwiegend nur die unteren Dienstgrade), daß die vom Westen dort eingesetzte Staatsform wenig Anklang findet. Verstärkte militärische Gewalt soll jetzt die Terroristen dingfest machen und bei den Völkern des Landes die Akzeptanz herstellen für das, was die Weisen aus dem Abendland für sie vorsehen.
Einstweilen gerät durch den Krieg am Hindukusch das Nachbarland, Pakistan, aus den Fugen.


Für die ethnischen, religiösen, sozialen Konflikte in der Welt, die teilweise seit mehr als vierzig Jahren andauern, kennt die Politik nur eine Lösung: gewaltsame Befriedung, gefolgt von dem Zwang, sich in ein Staatsgebilde zu fügen, das historischer Willkür oder der Weisheit der Mächtigen entwachsen ist. Eingefordert wird das Vertrauen, daß die Zeit geschlagene Wunden und das ungestillte Verlangen heilt (als gäbe es schon einen Konflikt, der sich auf diese Weise erledigt hätte).
Begründet wird dieses Verfahren mit der Behauptung, daß, gäbe man dem Volkswillen nach, dies zu Staaten führe, die nicht lebensfähig wären. Tatsache indessen ist, daß Hunger und Not nur in den großen Staaten gelitten wird. Einer der kleinsten dagegen, Luxemburg, hat die zufriedensten und wohlhabendsten Bürger, obgleich dieses Land weder über einen Zugang zum Meer, noch über nennenswerte Bodenschätze, noch über touristische Attraktionen verfügt. Seine Bürger sind auch nicht etwa zum überwiegenden Teil in Banken beschäftigt.
Der Kosovo allerdings hat Schwierigkeiten. In erster Linie freilich deswegen, weil ihm eine serbische Minderheit in die Wiege gelegt worden ist. Seine Chancen stiegen, wenn in der Region, also bei ihm und seinen Nachbarn, Volksabstimmungen die Grenzen zögen, wobei En- und Exklaven hinzunehmen wären. Das schaffte Frieden und damit die Voraussetzung für geruhsames Wirtschaften.
Volksbefragungen indessen verbieten sich. Denn einmal eingeführt, stellten sie sämtliche Staatsgrenzen auf der Welt zur Disposition. Damit fänden zwar alle Bürgerkriege auf einen Schlag ihr Ende, aber zu dem Preis einer völlig veränderten Staatenlandschaft.
Obendrein käme es auf diese Weise zu erheblich mehr Staaten auf der Erde. Schon jetzt, so wird geklagt, seien die 192 bestehenden nicht unter einen Hut zu bringen, bei drei- oder vierhundert sei dies völlig auszuschließen.
Auch diese Behauptung hält einer Nachprüfung nicht stand. Zum einen entstehen viele Probleme, die die Staaten untereinander und miteinander haben, aus ihrer innenpolitisch instabilen Situation. Die Beendigung der Bürgerkriege würde viele dieser Schwierigkeiten beheben. Zum anderen macht es keinen Unterschied von Bedeutung, ob bei einer Streitfrage zwei oder hundert Staaten querschießen. In der Regel genügt ein Staat, um ein Vorhaben zu Fall zu bringen, allemal, wenn es sich dabei um den mächtigsten handelt.
Schließlich könnte sich die Weltunion auch aus den Staatenbünden zusammensetzten (EU, OAS, usw.). Das würde nicht nur sie, sondern auch diese Bünde stärken.
Friede läßt sich nicht erzwingen. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Diese Binsenwahrheit glaubt die Politik außer Kraft setzen zu können.
Das Nachgeben auf den Volkswillen im übrigen brächte nicht nur Frieden, sondern vermutlich auch die Überwindung von Hunger und Not in der Welt. .
Die Verhältnisse im nahem Osten verlangen eine gesonderte Betrachtung. Laut Politik und öffentlicher Meinung gibt es nur eine Lösung für den dortigen Konflikt, die der zwei Staaten. Angenommen also wird, daß, wenn die Palästinenser ihren eigenen Staat hätten, das Problem gelöst sei. Nun ist es aber so, wie jeder weiß, daß Israel Teile des Westjordanlands durch geschlossene Siedlungen besetzt hält, die obendrein sichere Versorgungswege benötigen. Und es gibt in Israel keine Partei oder Bewegung, die ein Aufgeben dieser Siedlungen politisch durchsetzen wollte oder könnte. Gleichwohl wird erwartet, daß die Palästinenser, ein Volk, das seinen Stolz täglich unter Beweis stellt, sich mit einem zerfledderten Staatsgebiet zufrieden geben werden. Selbst wenn eine Mehrheit dieses Volkes, kriegsmüde geworden, dieser Lösung zustimmen sollte, bliebe hier nicht ein steter Stachel im Fleische, eine Keimzelle für Aufruhr und Terrorismus?
Friede wird hier erst einkehren, wenn die Staatsidee überwunden ist und der Gedanke der Gemeindeautonomie sich durchgesetzt hat (siehe dazu Karl-August Hansen: Parousia. Angekommen in der Freiheit).
Innerhalb der Staaten nimmt die Gefahr, betrogen, bestohlen oder verletzt zu werden, beständig zu, Folge einer verbreiteten Enthemmung. Bei vielen Menschen sind auch Wut und Haß geweckt.

Dafür gibt es vermutlich mehrere Ursachen.
Die repräsentative Demokratie entfernt den Bürger von der Ausübung und Kontrolle der politischen Macht. Schon damit ist eine Entwürdigung verbunden. Sodann bringt die Auflösung der gewachsenen Strukturen (Familie, Gemeinde) eine Entwurzelung mit sich. Beides dürfte die moralischen Bindungen beeinträchtigen.
Die Staaten bekämpfen Kriminalität und Terror, indem sie den Bürger stärker überwachen und seine Wirkmöglichkeiten einschränken. Das ist dem Selbstwertgefühl neuerlich abträglich. Es dürfte die Enthemmung weiter anschwellen lassen. Da tritt eine Teufelsspirale in Aktion.
Der Sozialstaat versetzt der Würde des Menschen einen weiteren Schlag. Schließlich liegt ihm die Auffassung zugrunde, daß der Bürger nicht fähig sei, für sich selbst zu sorgen.
Doch damit nicht genug. Der Staat muß, nunmehr zuständig für die Betreuung seiner Bürger, eine durchgängig gerechte Lösung finden. Leider aber sind die Umhegten nicht gleich. Darüber hinaus sind ihre Lebensumstände unterschiedlich. Das macht die Sache kompliziert, was sich in der Gesetzgebung niederschlägt. Hinzu kommt, daß die jeweils befaßte Behörde ein Bild des zu Unterstützenden und seiner Verhältnisse benötigt. Dieser also muß sich entblößen. Vater Staat will nicht übers Ohr gehauen werden. In den Gemäuern der Sozialämter schmilzt der letzte Rest von Stolz.
Die unser Geschick Bestimmenden gehen davon aus, daß es sich bei dem Verlangen nach Selbständigkeit und Selbstachtung um vernachlässigbare Empfindungen handelt, jedenfalls nicht um Grundbedürfnisse. Für sie strebt der Mensch in erster Linie nach sozialer Sicherheit, zieht er das Betreutsein der Freiheit vor. Dieses geringschätzige Menschenbild findet in vielfältiger Weise seinen Niederschlag. Es bleibt aber auch nicht ohne Rückwirkung.
Das zeigt unter anderem das Verhältnis von Staat und Wirtschaft.
Seit es Herrscher gibt, wollte kaum einer von ihnen darauf verzichten, Einfluß auf das Wirtschaften zu nehmen. Dabei haben die Produzenten und Händler des Staates nie bedurft. Selbst die Sicherheit auf den Straßen und Meeren haben sie notfalls selbst hergestellt - Venedig, Hanse.
Nun haben sich die Staaten eine Fürsorgeverpflichtung auferlegt. Das führt zu einer engen Verflechtung von Staat und Wirtschaft. Doch daß dies sich zum Segen für den Bürger auswüchse, darf mit vielen Zweifeln versehen werden.
Die gegenwärtige Wirtschaftskrise schreit angeblich nach Regeln. Auf einem freien Markt indessen gelten ungeschriebene Gesetze. Sie bestimmen über Erfolg und Mißerfolg. Jeder kennt sie. Seit Jahrtausenden wird versucht, sie in Paragraphen zu fassen. Doch was immer da codifiziert wurde, es führte lediglich dazu, sie auszuhebeln.
Die maßsetzenden Regierungen dieser Welt schicken sich gerade mit großem Aufwand an, für den Umgang mit dem ungedeckten (vom Gold gelösten) Geld Gesetze zu erfinden. Die Banker verlangen auch danach. Denn Kontrolle verschlankt den Wettbewerb - vordergründig. Auf die Dauer jedoch dürften Verbote den Erfindungsreichtum nicht austrocknen.
Im übrigen ist der größte mißbräuchliche Nutzer des Geldes der Staat. Die Staaten versuchen gerade, die Fehler, die sie gemacht haben, zu beseitigen, indem sie größere begehen (Woran sind die Kredite geplatzt? An hohen Steuern und Teuerung, an hohen Staatsausgaben und Geldvermehrung). Die Staaten setzen auf einen Schelm anderthalbe. Und um Verfassungsbestimmungen und Gesetze haben sie sich noch nie geschert.
Zum Selbstverständnis der Staaten gehört die Verpflichtung einzugreifen, wenn eine große Zahl ihrer Bürger in Not gerät. Der Markt hinwiederum ist darauf angelegt zu nutzen, was sich ihm vorteilhaft darbietet.
So lehren die Verhältnisse, daß ein großes Unternehmen, das viele Arbeitsplätze stellt, ein geringeres Existenzrisiko hat als ein kleines. Das veranlaßt die Unternehmer, die Gewinne weniger in Forschung, Entwicklung und Erneuerung zu stecken als in den Aufkauf eines Konkurrenten oder irgendeines anderen Betriebs. Die Gegenwart erlebt eine Fusionswelle ohnegleichen, obgleich alle Institute vermelden, daß wirtschaftliche Vorteile mit den Gigantenhochzeiten nicht verbunden sind – ausgenommen eben das durch die Staatsgarantien verminderte Existenzrisiko und eine beträchtliche Steuerersparnis. Daß dies gesamtgesellschaftlich, also für den Bürger, eine alles andere als positive Entwicklung darstellt, bleibt Politik und Presse verborgen.
Besonders bedenklich ist, daß die Staaten inzwischen immer häufiger selbst als Unternehmer tätig werden.
Der Bau des Assuan-Staudamms wurde von der ägyptischen Regierung gegen alle Widerstände und Bedenken durchgesetzt. Jahrtausendelang hat der Nilschlamm die Äcker am Strom gedüngt. Jetzt schlemmt er den Stausee zu. Und die Bauern müssen Kunstdünger kaufen.
Dieses Beispiel steht für die vielen Großprojekte, die die Staaten verwirklicht haben und von denen inzwischen offenbar geworden ist, daß sie mehr Schaden anrichten als Nutzen erbringen. Allen widrigen Erfahrungen zum Trotz jedoch lassen sich die Staaten von weiteren Vorhaben dieser Art nicht abbringen.
Könnte es nach alledem sein, daß mit den Staaten der Irrtum zum Gesetz des Handelns geworden ist? Oder haben wir es mit bewußter Irreführung zu tun (aus Opportunismus, Macht- oder Geldgier)?
Immerhin, wie schon angedeutet, gibt es durchaus Alternativen zu dem, was wir über uns ergehen lassen. Auf eine kurze Formel gebracht: Wenn wir Zukunft haben wollen, werden wir das Regieren und Regeln von oben in Frage stellen müssen. Wir werden Verhältnisse schaffen müssen, in denen der einzelne selbst über sein Leben bestimmen kann und die von ihm in freier Selbstbestimmung geschaffenen Gruppen ein Eigenleben führen dürfen.
Seit dem Altertum sind Denker für diese Lebensform eingetreten. In der Gegenwart wird sie in erster Linie von Wirtschaftswissenschaftlern ins Gespräch gebracht. Zu nennen sind hier vor allem diejenigen, die sich der „österreichischen Schule“ zurechnen.
Aber auch in der Praxis hat die Selbständigkeit ihre Tauglichkeit als Friedens- und Heilsbringer bewiesen, auf Island und in der Schweiz, in Dithmarschen und in Nordamerika.
Die Zeit, die Irrtümer verzeiht, ist vorbei. Seit das Leben auf der Erde in unserer Hand liegt, muß zur Geltung gebracht werden, was stimmt und sich bewährt hat.


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