Lenken und Leiten ohne Gewhr?

Freiheit mu mit Verantwortlichkeit einhergehen, sonst ist sie unertrglich, sonst berlebt sie nicht. Gilt das auch fr die Wirtschaft?

Managementfehler fhren zu Geldverlusten und Entlassungen. Doch die Schuldigen bleiben ungeschoren, werden gar noch honoriert. Das ist hochgradig unbefriedigend. Das schreit nach dem Staat.
Tatschlich findet sich beim Altmeister der Wirtschaftslehre, Adam Smith, kein Wort zu Haftung, Regress, Schadensersatz. Auch seine Schler behandeln das Konnexittsprinzip recht stiefmtterlich.
Das indes kommt nicht von ungefhr. Der freie Markt nmlich bestraft Versagen durch Verlust. Wer sich verkalkuliert, bleibt auf der Strecke. Und wer gegen die Regeln des ehrbaren Kaufmanns verstt, mu damit rechnen, da die Kufer oder die freie Presse ihm auf die Schliche kommen. Das bekommt er am Umsatz zu spren.
Der Markt braucht keine Fesseln. Er sorgt aus sich selbst fr ertrgliche Verhltnisse. Doch die Marktkrfte sich frei entfalten zu lassen, Nichtstun, Zuschauen, Abwarten ist Sache der Macher im Staate nicht. Und auch die Bosse lassen sich nur allzu gern vom Staat verwhnen.
So wurden die Selbstheilungskrfte des Marktes auer Kraft gesetzt zum einen durch Sttzungsmanahmen (Zlle, Subventionen), zum anderen durch Rechtsetzung.
Die Sttzung entzieht die Begnstigten den Gesetzen des Marktes. Diese produzieren fortan auf Halde oder verdrngen andere Unternehmen vom Markt, die weniger oder keine Untersttzung erfahren.
Ge- und Verbote fhren gemeinsam mit der Vernichtung aller berkommenen Werte und Strukturen zu einer Verhaltensnderung. Zum einen ist erlaubt, was nicht verboten ist. Zum anderen ist die Rcksichtnahme von der privaten in die Hand des Staates gelegt. Skrupel bei der Verwirklichung von Selbstschtigkeiten sind seither unangebracht. Moralische Bedenken erschlgt der Knppel des Gesetzes. Nunmehr ist jeder sich selbst der Nchste.
Im kleinwirtschaftlichen Bereich mgen Treu und Glauben noch zur Geltung kommen. Allerdings finden Nepper, Schlepper und Bauernfnger ein immer weiteres Bettigungsfeld. Und Handwerksmeister klagen ber die Zahlungsmoral ihrer Kunden.
Im growirtschaftliche Bereich geben Kapitalgesellschaften den Ton an. Sie unterliegen in der Regel einer Gewaltenteilung: Ein Aufsichtsrat beauftragt und kontrolliert den die Geschfte fhrenden Vorstand. ber den Aufsichtsrat nehmen die Gesellschafter, also die Firmeninhaber, Einflu auf das Handeln der Unternehmensfhrung.
In einigen Staaten, so in Deutschland, drfen die Beschftigten ber ein Mitbestimmungsgesetz in den Aufsichtsrten ein Wort mitreden.
Was angesichts dessen zunchst verwundert, ist, wieso den Mitgliedern des Vorstands zugestanden wird, sich Bezge in exorbitanter Hhe zuzuschanzen. Nun ja, die Aufsichtsrte selbst langen regelmig ebenfalls krftig in die Kasse. Das hebelt die Kontrolle aus. Die ungebhrliche Bereicherung hat sich augenscheinlich zur blichkeit entwickelt. Hier schlgt offenbar jene Verhaltensnderung durch.
Das indessen wre hinzunehmen, wenn die hochbezahlten Manager fr Versagen zur Rechenschaft gezogen wrden, wie es das Marktgesetz verlangt.
In Personalgesellschaften haftet der Unternehmer mit seinem Privatvermgen, in Kapitalgesellschaften die Gesellschafter. Das sind vorzugsweise die Aktionre. Sie mten den Aufsichtsrat und ber diesen den Vorstand zur Rechenschaft ziehen.
Hier hat der Kapitalismus eine ungute Entwicklung genommen. Denn die Gesellschafter sind nicht an den Betrieb gebunden, sie knnen sich ausklinken, wenn sie merken, da die Sache schief luft. Gekniffen sind in der Regel nur diejenigen, die ihre Anteile nicht rechtzeitig losgeworden sind, Kleinanleger oft, denen das Insiderwissen abgeht.
Hufig springt der Staat fr Kapitalgesellschaften ein, die in Schwierigkeiten geraten sind. Dies insbesondere, wenn viele Arbeitspltze auf dem Spiel stehen (was in der Regel der Fall ist) oder, bei den Banken, weil deren Insolvenz das Vertrauen in sie und damit in die Sicherheit der Spareinlagen zerstrte. Das Risiko der Wirtschaftsriesen wird infolgedessen auf den Steuerzahler abgewlzt.
Es ist kaum anzunehmen, da den Managern nicht bewut ist, da notfalls der Staat einspringt. Wer wollte daher ausschlieem, da der eine oder andere von ihnen es bewut darauf anlegt?
Um so bemerkenswerter ist, da nun erstmals in Deutschland ein Unternehmen seine ehemaligen Topmanager zur Verantwortung ziehen und in Regress nehmen will. Siemens indessen vollzieht diesen Schritt nur, weil es von auen, nmlich durch Strafzahlungen in Milliardenhhe, dazu gezwungen wird. Und man wird abwarten mssen, ob dabei tatschlich etwas herauskommt.
Was sich gegenwrtig in der Wirtschaft abspielt, ist ungesund und uerst bedenklich. An dieser Entwicklung tragen die Staaten mit ihren Eingriffen in die Wirtschaftsablufe einen Gutteil der Schuld.

Wer den Nutzen hat, mu auch fr den Schaden, den er anrichtet, aufkommen. Die Staaten befreien die Nutznieer vom Risiko. Und ihre Rechtsetzung ttet das Moralempfinden.