Wider die Heuchler.

Der Herrgott hat die zehn Gebote in die Welt gesetzt. Indes, wenn man Jesus glauben darf, erwartet er nicht, da jedes seiner Erdenkinder sie unentwegt befolgt, da keines gegen sie verstt, da keines sndigt. Denn er hat Mglichkeiten geschaffen, Vergebung zu erlangen.

Der Theologe Hans Kng hat den Dekalog erweitert. Er schlgt allen Menschen ein Weltethos zur Befolgung vor. Doch geht er ebenfalls davon aus, da sich niemand daran hlt? Will er ebenfalls bei Versto Vergebung erteilen? Wohl kaum.
Der Papst mahnt bei jedem seiner ffentlichen Auftritte die Einhaltung des Friedens an. Dabei lt er es an Eindringlichkeit nicht fehlen.
Drfen wir nun annehmen, da der Papst und der Professor der ehrlichen Auffassung sind, ihre Mahnungen und Aufforderungen fnden Gehr und fhrten zu Frieden in der Welt? Tten wir das, unterstellten wir ihnen ein Ma an Blauugigkeit und Ignoranz, das bei so bedeutenden Persnlichkeiten sicher nicht ganz unbedenklich wre.
Wem, der mit offenen Augen durch die Welt geht, ist nicht klar, da Friede nur werden kann, nachdem die Ursachen der Gewaltanwendung beseitigt sind.
Die Zeiten, in denen Menschen aus purer Rauflust auf andere Menschen losgingen, drften vergangen sein. Und Einlassungen wie die, da junge Muslime den terroristischen Selbstmord verbten, weil sie sich nach einem Himmel voller Jungfrauen sehnten, zeugen eher von Denkfaulheit oder Vertuschung eigenen Fehlverhaltens.
Keinem lesenden und fernsehenden Menschen bleibt verborgen, da Hunger und Not in der Welt immer mehr Mitmenschen erfat. Wen darf es da verwundern, da die Verzweiflung Wut und Ha auslst und am Ende zu Gewaltausbrchen fhrt? Zumal so augenfllig ist, da hier gedarbt, whrend dort geprat wird.
Friede also ist nur zu erreichen - wer wte das nicht? -, indem man die groben Ungerechtigkeiten aus der Welt schaffte.
Infolgedessen geht man wohl nicht fehl, wenn man annimmt, da die hohen Herren, gemeinsam mit allen anderen Obrigkeiten, die es ihnen gleichtun, sehr wohl wissen, da ihre schnen Worte und Wnsche in den Wind geredet sind.
Das unlautere Beanspruchen guter Absichten und das Vortuschen nicht vorhandener Effizienz allerdings ist fr uns, deren Wohl und Wehe von dem Wirken dieser Leute abhngt, nicht sehr erhebend.
Wir mten die Heuchelei hinnehmen, wenn eine nderung der Verhltnisse, die dem Frieden entgegenstehen, nicht in unserer, des Menschen Macht lge. Das jedoch ist nicht der Fall. Es erforderte lediglich die Bereitschaft, sich fr die Auflsung der Schuldigen, der Staaten, einzusetzen.
Noch eine Bemerkung am Rande. Der Chefethiker Kng fhlte sich bemigt, ffentlich ber die Lge in der Politik nachzudenken (in der Sddeutschen Zeitung vom 5./6.April 2008). Wie zu erwarten war, hielt er sie nicht fr angebracht wofr ihm Zustimmung gebhrt.
Als Zeugen indes rief er seinen guten gemeinsamen Freund, den frheren Bundeskanzler Helmut Schmidt auf. Von diesem allerdings ist folgendes zu berichten. Er war Innensenator von Hamburg, als ber seine Stadt im Februar 1962 eine Sturmflut hereinbrach. Am Vorabend ermittelten die Wettermter die vermutliche Hhe der Flut korrekt, so wie sie dann auch eintrat. Sie unterrichteten darber ihre vorgesetzten Dienststellen, so auch die hamburger Innenbehrde. Diese unterlie es dennoch, die betroffene Bevlkerung zu warnen. Diese wurde dadurch im Schlaf berrascht. Die Bewohner einstckiger Huser hatten keine Chance, die berflutung zu berleben. Sodann gab es in der hamburger Innenbehrde keinen brauchbaren Katastrophenplan. Das fhrte dazu, da die Helfer (Pioniereinheiten der Bundeswehr) erst 12 Stunden nach Eintreten der berschwemmung mit ihrer Hilfeleistung beginnen konnten. Der Herr Senator jedoch wute sich am Morgen (5 Stunden nach Hochwasser) so betriebsam darzustellen, da die Presse sich gentigt sah, ihn als Retter bei der Flutkatastrophe zu betiteln. Nachweisbare Tatsache indessen ist, da die Opfer, die die Flut gekostet hat, dem Versagen der Behrde zuzuschreiben sind, der er vorstand.