Föderalistische Partei Deutschlands 
Kontakt | Mitglied werden
Startseite FödPD-Logo

Libertas, die Göttin. Schafft sie Freiheit?


Nach langjähriger Beobachtung dessen, was die Libertären verlautbaren, erschließt sich mir über deren Anliegen eine bemerkenswerte Widersprüchlichkeit.

Dabei muß ich vorweg sagen, daß ich mich nur allzu gern täuschte. Ich wäre daher für jede Berichtigung dankbar. Ich würde gern Unrecht haben, wäre erfreut, wenn ich Abbitte leisten müßte.
Keine Frage, die geheimdienstüberwachte, zwangsversicherte Freiheit mit Schul- und Wehrpflicht ist Sache der Libertären nicht. Aber eine Freiheit ohne Staat ist ihnen auch nicht geheuer.
Allerdings wollen sie einen Staat, der alles Staateneigentümliche ablegt, einen Staat ohne das Staatliche.
Sie wollen einen Staat, der nicht um seinen Bestand fürchtet, daher das Militär abschafft und die Geheimdienste, den Hochverrat und das Versammlungsverbot.
Sie wollen eine repräsentative Demokratie ohne Repräsentanten (jedenfalls ohne solche, wie wir sie gegenwärtig haben), ohne Regelungssucht und Machtbesessenheit, ohne ideologische Grundanliegen wie die Sorge für Gleichberechtigung, Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit.
Der Nachtwächterstaat in einer globalisierten, vor gewaltigen Problemen stehenden Welt. Einen Schrumpfstaat, nach Auflösung aller herkömmlichen Strukturen und deren Folgen, bei dadurch erhöhtem Regelungsbedarf.

Die Libertären wollen die Freiheit ohne Bindung – außer der selbst auferlegten. Vom Staat erwarten sie, daß er sich darauf beschränkt, einige Verbindlichkeiten festzulegen und dafür zu sorgen, daß sie eingehalten werden. Denn alle Werte sollen nicht verkom­men. Sie wollen durchaus, daß ihre auf sich gestellten, zur Selbstsucht gezwungenen Mitbürger sie in Frieden lassen, ihre Privatsphäre achten, ihr Eigentum schützen. Ihre moralentwöhnten Nachbarn sollen gleichwohl ihre Kinder anständig erziehen und die Straßen und Parkbänke sauber halten.

Sie wollen Bindungslosigkeit ohne deren Konsequenzen. Die Ungebundenheit soll nicht zu Vereinsamung führen, nicht zu Verhaltensänderungen, wie sie das Alleingelassen­sein in der Masse mit sich bringt, nicht zu Gleichgültigkeit, Intoleranz und hemmungs­loser Ichbezogenheit.
Sie wollen essen, aber keinen Stuhlgang.
Daß sich das verwirkliche, davon läßt sich noch ein paar Jahre weiter träumen. Ihnen nämlich kommt entgegen, daß die Staaten, entwurzelnd, entmündigend und entwürdigend, durch Überregulierung letztlich gesetzlos geworden, bereits vermasst sind. Die Staaten haben die Bindungslosigkeit weitgehend verwirklicht. Sie behindern die freie Entfaltung der Persönlichkeit nur insofern, als sie einen Angriff auf ihren Bestand nicht dulden. Dazu aber haben die Libertären keinen Anlaß. Denn ihre Freiheit ist gewährleistet.
So können die Altachtundsechziger und Neuzweitausender die Kritik der Libertären gelassen abtropfen lassen. Schöngeistig von einer Freiheit schwärmend, die sie schon haben, hindern die Libertären sie nicht, weiter ihr Unwesen zu treiben. Die vorhersehba­re Folge ist das Chaos.
Wir sind schon eine seltsame Spezies. Wir durchleuchten, was um uns herum vor sich geht, kennen alle wesentlichen Zusammenhänge. Wir betrachten unseren Globus von außen, messen und bewerten jedes Blatt, das vom Baum fällt. So wissen wir auch, daß, wenn man in einem geschlossenen System Einwirkungen vornimmt, dies Auswirkungen hat. Dennoch gehen wir davon aus, daß die Erde erträgt, was immer und wieviel immer wir ihr zufügen, daß sie - überfüllt, überfrachtet, überfordert - ihre Wirtlichkeit nicht verliert.
Ähnlich verhält es sich mit der Begutachtung der zivilisatorischen Entwicklung, die die Menschheit genommen hat. Wenn immer mehr Menschen auf immer weniger Anbauflä­chen stoßen, so mag die Technik da einiges entgegensetzen können. Wenn indes sämtli­che Stützen, die im gesellschaftlichen Bereich für Halt sorgen könnten, zunehmend durchlöchert werden, kann das dem Sozialgefüge kaum zuträglich sein. Gleichwohl geht eine Mehrheit davon aus, daß die schleichende Aushöhlung der Grundbedürfnisse des Menschen ohne bedrohliche Folge bleibt, daß zur Umkehr, zu einer gesellschaftlichen Generalrevision kein Anlaß besteht.

Zusammenbruch aller Ordnung? Schon Palmström schloß einst messerscharf, daß nicht sein kann, was nicht sein darf.
Ich vermag auch bei den Libertären, die gern eine besondere Nachdenklichkeit für sich in Anspruch nehmen, keine ungewöhnliche Sorge hinsichtlich unserer Zukunft zu ent­decken. Die täglichen Horrormeldungen scheinen eher ihre Abneigung zu wecken. Da ist schon mal von Hysterie die Rede. Und daß wir einem Zeitdruck unterlägen, etwa daraus resultierend, daß sich die bedrohlichen Entwicklungen exponentiell beschleunig­ten, ist schon gar nicht wahrzunehmen.
Wie lange, nach Meinung der Freunde der Freiheit, lassen sich die aus der Existenz der Staaten hervorgehenden Entwicklungen fortsetzen, ohne daß es auch hier zu chao­tischen Zuständen kommt? Glauben sie wirklich, sich unbegrenzt in einer Freiheit sonnen zu dürfen, die in ihrer Art auf die Dauer weder für den einzelnen noch für das nun einmal nicht zu umgehende Miteinander mit den Mitmenschen erträglich ist?
Wer sagte das noch gleich: „Bei allem, was Du tust, bedenke die Folgen!“
Den Föderalisten wird vorgehalten, sie zwängen den einzelnen zur Einbindung in eine Gemeinde. Dem entkommen zu sein indessen, ist den bindungsverabscheuenden Libertären ein besonderer Gewinn. Und nichts für sie ist grauenhafter, als erneut der Nachbarschaft von Mitbürgern ausgesetzt zu sein. Schon Kant sprach von der „ungesel­ligen Geselligkeit“. Der Mensch kann seine Mitgenossen nicht wohl leiden. Aber er kann auch nicht von ihnen lassen.

Richtig ist, daß wir hinnehmen, von Mitmenschen umgeben zu sein. Und wir nehmen zur Kenntnis, daß es täglich mehr werden, der Raum immer enger wird. Für uns also besteht ein Zwang sich mit den Mitmenschen zu arrangieren. (Es sei denn, man ginge in den Wald oder in die Wüste, was nicht jedermanns Sache ist.)
Die Libertären ersehnen die Vereinzelung in der Masse. Doch die kann weder der Staat dauerhaft gewährleisten noch ist sie dem einzelnen bekömmlich. Sie verschafft Psychia­tern Hochkonjunktur und dem Staat verhaltensgestörte Bürger.
Nach unserer Überzeugung hat der Mensch Grundbedürfnisse, auf die er dauerhaft nicht verzichten kann. Nach Übereinstimmung aller einschlägigen Wissenschaften sind dies: Soziale Anerkennung, Sicherheit und Geborgenheit, Liebe und Vertrauen, Selbstach­tung, Unabhängigkeit und Freiheit.
Ein Mensch, der sich die Gemeinschaft aussuchen kann, in der er leben will, und der mitbestimmen kann, was in der Gemeinschaft gelten soll und geschieht, erhält diese Grundbedürfnisse weitgehend befriedigt.
Und wenn in dem oben Ausgeführten ein Körnchen Wahrheit steckt, dürfte damit zugleich die Voraussetzung geschaffen sein, daß die Menschheit die Probleme löst, die sie bedrohen.
Die Staaten versagen nicht nur, sie sind das Problem (Ronald Reagan).
Die Einbindung in eine selbständige Gemeinde bringt Nähe mit sich, lästige Einmi­schung. Aber im Gegensatz zur Bindungslosigkeit hat sie in Tausenden von Jahren an Körper und Geist gesunde Menschen hervorgebracht – wovon wir heute noch zehren.

Den Freiheitsfreunden ist lieber, Gesetze zu akzeptieren, die sie den Staat für alle, für Religiöse gleichermaßen wie für Atheisten, für Moralanhänger gleichermaßen wie für Moralverächter, postulieren lassen, als selbst die Normen zu bestimmen, denen sie sich unterwerfen wollen. Widersprüche über Widersprüche.

Inkonsequenz unserer geistigen Elite ist angesichts der Lage, in der wir uns befinden, ein Verhängnis, ein Versagen, das in seiner Auswirkung einem Verbrechen gleich­kommt.

Mitglied werden
Geben Sie sich einen Ruck und lassen Sie einen Ruck durch das Land gehen.
Jeder Kopf und jede Hand wird gebraucht. Werden Sie aktiv als Mitglied der FödPD.
Mitglied werden ->

© Föderalistische Partei Deutschlands 2018 | Impressum