Bekenntnis eines Erdbewohners.

Ich bin ein friedfertiger Mensch. Von mir erfhrt niemand ein Leid.

Ich kmmere mich nicht um fremder Leute Angelegenheiten, erwarte allerdings von meinen Nachbarn, da ich den Vorzug habe, auch ihnen gleichgltig zu sein. Ich geniee es, privat der Aufmerksamkeit meiner lieben Mitbrger entzogen zu sein. Mir liegt daran, in die Anonymitt der Masse abtauchen zu knnen.
Ich nehme es hin, da der Staat von mir die Befolgung seiner Gesetze verlangt obgleich weder ich noch die Leute vom Fach sie alle kennen knnen. Mit der Unsicherheit, unwissentlich gegen eines von ihnen zu verstoen, kann ich leben.
Mein Mitteilungsbedrfnis vermag ich zu zhmen, plane keinen Aufstand und konsumiere keine Drogen. Deshalb kann ich ohne Bedenken in Kauf nehmen, da der Staat in meine Gesprche mit Freunden hineinlauscht und meinen schriftlichen Ergssen Beachtung schenkt. Da er dort nichts Verdchtiges finden wird, laufe ich kaum Gefahr, da seine Schergen mich gelegentlich heimsuchen und meine Schrnke durchwhlen.
Ich bin gegen den Krieg, verabscheue den Terrorismus und bedaure, da anderswo Leute unverschuldet Not leiden mssen. Ich bete daher fr den Frieden und lasse mich beim Spenden nicht lumpen. Weitere Aktivitten allerdings gegen diejenigen, die Krieg und Leid verschulden, fhren zu nichts, dessen bin ich mir sicher. Das ist Aufgabe der Politik. Und wenn die Regierungen sich eher als Verursacher denn als Bereiniger erweisen, dann ist da halt nichts zu machen. An den Demonstranten strt mich deren bertriebene Aufgeregtheit. Und bei den lteren von ihnen habe ich den Verdacht, da deren Selbstwertgefhl in ihrem Berufsleben nicht ausreichend befriedigt worden ist.
Als guter Staatsbrger beteilige ich mich an den Wahlen. Dabei bin ich mir bewut, da die Parteien sich berwiegend aus Gernegren zusammensetzten, die ihre Fhigkeit zur Eloquenz und Selbstdarstellung nutzen. Da die Schaumschlger die Dinge in den Griff bekmen, ist nicht zu erwarten und der Augenschein besttigt ihr Versagen ja auch fortlaufend. Doch meine Stimme zu verschenken, bringt auch nichts. Ich gebe sie daher stets der Partei, von der ich annehme, da deren Vorreiter weniger Fehler machen werden als die der anderen.
Ich erkenne durchaus, da vieles falsch luft in dieser Welt, sehe auch die Gefahr, die davon ausgeht, da die groen Probleme unerledigt bleiben. Ich lcke daher gern ein wenig wider den Stachel. Das bin ich mir schuldig. Aber ich verliere dabei nicht die Bodenhaftung. Meine Art ist es nicht, sich in die Schulinie zu begeben fr eine Sache, deren Ausgang ungewi ist.
Auerdem, ich kenne doch meine lieben Mitbrger. Sie lassen sich nicht aus ihrem sicheren Gehuse locken. Sie erfinden Tausend Grnde, das Richtige, Wichtige, Ntige nicht zu tun.
Es ist nun mal so: Der Friede hat keine Chance, weil die Menschheit berwiegend aus Leuten besteht wie mich.