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Viel Geschrei und wenig Wolle


Der Staat, der Fahnenspender, wird von uneinsichtigen Gewalttätern mit Pflastersteinen beworfen. Da zeigt sich, wie nötig die Verteidigungsanlagen sind und der Aufmarsch der Truppen des Innenministeriums.

Doch könnte es sein, daß der Zaun und die geballte Phalanx gepanzerter Polizisten zusätzlich Wut und Haß provoziert? Zeigten sich die Politikgrößen den Protestanten ungeschützt, flögen vielleicht nur Eier und Tomaten. Indessen, selbst wenn sie sich darauf beschränkten, wer darf seine Gäste dem schon aussetzen?
George W. Bush läßt seine jungen Landsleute im Irak töten – für nichts und wieder nichts. Überall geraten Menschen in Gefahr, durch einen Terrorakt verletzt zu werden – eine Bedrohung, für deren Vorhandensein der amerikanische Präsident ebenfalls so ganz unschuldig nicht ist. Dennoch, ihn der Gefahr auszusetzen, mit weichen oder harten Gegenständen beworfen oder gar beschossen zu werden, kann die Kanzlerin nicht dulden. Es würde die deutsch–amerikanischen Beziehungen trüben. Und die Staaten, die Unantastbaren, können, hätte man sie verletzt, ihren Bürgern da schon einiges antun (man muß nicht gleich an einen Krieg denken).
Damit sind wir bei dem „Für nichts und wieder nichts“. Bush wollte mit seinen Kriegen die Terroristen treffen. Viele hat er tatsächlich getroffen. Aber gibt es jetzt weniger davon? Im Irak verbreitet er die Zuversicht, daß die amerikanischen Truppen ein befriedetes Land verlassen werden, wenn sie nur lange und in großer Stärke dort bleiben dürfen. Diese Erwartung teilen mit ihm nur wenige Beobachter des Geschehens. Es war selten ehrenvoll, für's Vaterland zu sterben. Nicht viel seltener war es so offensichtlich sinnlos, wie heute im Irak.
Zurück zu den Polizisten und Protestanten. Die Staatsdiener müssen ihren Kopf hinhalten – es fragt sich wofür? Doch die Steinewerfer sind auch nicht besser dran. Nicht nur, daß sie die Falschen treffen, sie leisten auch ihrer Sache keinen guten Dienst. Sie verstärken zwar die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, lenken deren Augenmerk auf die zu lösenden Probleme aber ab.
Wir danken den Staaten schöne Fahnen und Hymnen. Doch wohin führen sie uns?

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