Das ist der Gipfel!

Erneut treffen sich die Chefs der acht mchtigsten Staaten der Erde. Diesmal in Heiligendamm an der Ostsee. Das ist gut so, denn es gibt Probleme in der Welt.

Wochenlang schon haben die Sherpas, die Bevollmchtigten der Chefs, zusammengesessen, um das Ergebnis des Treffens auszuhandeln. Auch das ist gut so. Denn die hohen Damen und Herren mitrauen ihrer Spontanitt. Auerdem haben sie, die Bestimmer der Richtlinien, keineswegs vllig freie Hand.
Wenn nun die Potentaten sich zu ihren Beratungen und Banketten niederlassen, liegt ihnen das Schludokument schon unterschriftsreif vor. Auch das ist gut so. Denn so bleibt die Atmosphre ungetrbt. Ohnehin hat, was da beschlossen wird, von vornherein nur begrenzten Zeitwert. Keine Staatsregierung hat sich je durch einen Vertrag davon abhalten lassen zu tun, was ihr ntzlich erschien.
Der Brger indessen und die Presse, die sich zu seinem Sprecher macht, beseufzt, da auch dieser Gipfel nichts bewegt. Doch das ist ein Schrei gegen den Wind. Die Staaten lsen keine Probleme, sie schaffen sie.
Klage allerdings sollte der Brger schon fhren. Denn Veranstaltungen wie diese kosten eine Menge Geld, sein Geld.
Viele Brger daher kndigen an, den Staatsgewaltigen ihren Verdru unter die Nase reiben zu wollen. Doch daran finden diese keinen Gefallen. Sie lassen einen Zaun errichten, der ihnen den Protest vom Leibe hlt.
Man mu sich das einmal vor Augen fhren: Da treffen sich die gewhlten Vertreter ihrer Vlker in einem Land, das die Freiheitlichkeit auf seine Fahnen geschrieben hat. Nun verhlt es sich ohnedies so, da die ins hohe Amt Gewhlten sich nur von mehreren Bodyguards umgeben auf die Strae wagen. Begegnen sich mehrere ihrer Art aber, wird fr ntig erachtet, eine Bannmeile zu errichten und mit einem undurchdringlichen Zaun zu umgrten.
Die Knige und Kaiser von ehedem waren da weniger empfindlich. Sie lieen ihre Untertanen schon mal nher an sich heran.
Ohne Frage kommt die Vorsorge der Machthaber nicht von ungefhr. Viele ihrer Whler und Auftraggeber sind mit ihren Leistungen unzufrieden. Sogar Wut und Ha sind zu vermerken. Es kann daher zu Ausschreitungen kommen. Kulturgter knnten beschdigt werden. Vielleicht wre sogar ein Politikerleben zu beklagen. Doch wrde das zu Weiterungen fhren, etwa einen Krieg auslsen wie dazumal der Mord in Sarajewo?
Stattdessen begeben sich die Demonstranten in Gefahr. Mehrere von ihnen werden in den Knast wandern. Wir wollen ja nicht Politiker- gegen Protestiererleben aufrechnen. Doch was sagt hier die Kosten- / Nutzenanalyse?
Dem Volk, dem angeblich unberechenbaren (als stellte es stets unberechtigte, unerfllbare Forderungen), ist schwer zu dienen. Dennoch besteht kein Mangel an Leuten, die das auf sich nehmen. Aber sie, die nunmehr Verantwortlichen dafr, da Freiheit und Frieden fehlen und die Armut wchst, verlangen, da der Staat sie vor dem Zorn der Enttuschten, Betrogenen schtzt.
Der Souvern, das Volk, sieht seine Wohltter und Betreuer hinter Mauern und Zunen aufwendig ihrem Versagen nachgehen, sich selbst in seinem Protest sieht er einer Prtorianergarde mit Helm, Schild und Schlagstock ausgeliefert.
Versammlung, so sagt die Staatsmacht, ist erlaubt, solange sie friedlich verluft. Der Brger darf sich zum Spazierengehen, Schildchen Hochhalten und Buh Rufen verabreden. Indes, den zahmen Ingrimm, die Demonstration von Wut mit gebremstem Schaum, wer nimmt das schon zur Kenntnis?
Andererseits, der Zugriff des Staates auf den Inhalt der Lohntten, ohne da er leistet, was zu fordern ist, ist das eine Gewalt, die keine Frage nach ihrer Rechtmigkeit duldet?
Was sich in Hamburg und vor dem Zaun breit macht, sei lediglich Lust am Krawall, lehnen sich Staatsgewaltige selbstgerecht zurck. Auerdem htten die Randalierer kein Programm.
Das ist nun wirklich der Gipfel dnkelhafter Borniertheit. Die politische Elite verlangt von denen, ber die sie sich moralisch und geistig erhebt, da diese ihr an plausiblen Handlungsvorschlgen einiges voraus haben.