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Staatsproblem Bildung


Immer mehr Schulabgänger können weder lesen noch schreiben. Viele Anbieter von Lehrstellen klagen, daß sich Bewerber melden, die zu nichts zu gebrauchen sind. Auch das Niveau des Wissens und Könnens der Abgänger von Realschulen und Gymnasien sinkt beständig, wofür es zwar keine wissenschaftliche Bestätigung gibt (außer eventuell bei PISA), was sich aber jedem erschließt, der dem auf den Grund geht.

In der Diskussion um die Föderalismusreform wurde nun um die Zuständigkeit gestritten. Viele sind der Auffassung, der Zentralstaat, also der Bund, sollte die Geschicke der Bildung lenken oder zumindest vereinheitlichenden Einfluß auf die Schul- und Universitätsausbildung nehmen.
Zur Begründung einer Vereinheitlichung der Schulausbildung wird in der Hauptsache ausgeführt, daß unterschiedliche Lehrpläne der geforderten Mobilität entgegenstünden. Wenn demnach Eltern, um einen neuen Arbeitsplatz wahrzunehmen, in ein anderes Bundesland umzögen, müßten deren Kinder in ihrer neuen Schule sich mit ihnen völlig unbekannten Lernstoffen und Lehrmethoden herumschlagen.
Dazu ist zunächst festzustellen, daß ein Kind, das in eine andere Schule versetzt wird, vordergründig folgende Hürden zu nehmen hat: Die Mitschüler sind fremd. Das Verlangen nach Anlehnung bleibt unerfüllt. Ein Freund oder eine Freundin ist nötig. Der Platz in der „Hackordnung“ (K. Lorenz) der Klasse will erkämpft werden. Sodann sind die Lehrkräfte, der Lehrer, die Lehrerin, fremd. Deren Achtung zu erwerben, erfordert besondere Anstrengung. Diese beiden Schwierigkeiten stellen für jedes Kind in den ersten Wochen nach der Versetzung die größten dar. Sie sind im übrigen weitgehend selbst dann gegeben, wenn ein Kind an der gleichen Schule in eine Parallelklasse versetzt wird.
Nun wird gefordert, wenn diese Schwierigkeiten nicht zu umgehen sind, sollten, um dem versetzten Kind wenigstens ein Problem zu ersparen, die Lehrpläne und -methoden vereinheitlicht sein.
Doch das ist leichter gesagt, als getan. Weitgehend vereinheitlicht sind – auch ohne Zutun des Bundes – die Ziele der einzelnen Jahrgangsklassen, weil es dafür wenig Spielraum gibt. Das ist insbesondere für diejenigen Klassen der Fall, an deren Abschluß ein Übergang in eine andere Schulform erfolgen kann.
Das Verlangen der Vereinheitlichung also wird nur erfüllt, wenn man den Lehrkräften zusätzlich vorschriebe, wie, auf welche Weise, mit welchen Mitteln und in welchen Einzelschritten, sie die jeweiligen Lehrziele erreichen. Indes, sie hier in ein Schema zu pressen, wäre nicht ganz unproblematisch. Es raubte ihnen zum Beispiel die Möglichkeit, je nach der Befähigung ihrer Schüler oder nach auf sie einwirkenden Umständen einen Lernstoff länger oder auch kürzer zu bearbeiten als vorgesehen. Es raubte den Lehrern letzenendes jede Eigenständigkeit und damit ihre Motivation.
Im übrigen haben auch die unterschiedlichen Ferientermine Auswirkungen auf den Stand der Stoffbeherrschung. So muß an einigen Schulen das jeweilige Klassenziel bereits im Juni, an anderen erst im August erreicht werden. Das bedingt, daß in der übrigen Zeit die Schulen mit frühem Ferienbeginn den anderen immer um mehrere Schritte voraus sind.
Auch gibt es schon in der Grundschule neben dem Lesen, Schreiben und Rechnen Lernstoffe, die man nicht vereinheitlichen sollte. Dazu gehört die Pflege der in der Umgebung gesprochenen Mundart sowie das Kennenlernen der Besonderheiten und der Geschichte des Heimatortes. Und in den höheren Schulen bleibt es sicher zweckmäßig, daß an Fremdsprachen – neben dem unvermeidlichen Englisch - die Sprache des jeweiligen Nachbarlandes gelehrt wird. Auch sollten im Geschichtsunterricht die vergangenen Geschehnisse in der näheren Umgebung sicher nach wie besonders hervorgehoben werden dürfen.
Je tiefer man in diese Problematik hineinsteigt, um so deutlicher wird, daß eine Vereinheitlichung der Lehrpläne und -methoden - über die Festlegung der Ziele der Jahrgangsklassen in den Fächern, die allen Schulen gemeinsam sind hinaus - nicht empfehlenswert ist. Die Notwendigkeit oder Sinnhaftigkeit einer Mitwirkung des Bundes in der Schulausbildung ist daher nicht erkennbar.
Kommen wir zur Universitätsausbildung. Hier macht sich der Bund für die Schaffung von Elite-Hochschulen stark. Dazu ist festzustellen, daß die bisher als solche geltenden Anstalten keine staatlichen, sondern private Einrichtungen sind. Das kommt sicher nicht von ungefähr. Denn sobald der Staat Geld gibt, will er Einfluß nehmen. Staatliche Gängelei aber bekommt der Lehre und Forschung nicht. Daß die Bemühungen des deutschen Staates auf diesem Gebiet zu einem anderen als propagandistischen Erfolg führen, ist daher sehr unwahrscheinlich.

Was brächte die Vollendung des Föderalismus?
Zunächst ist wahrscheinlich, daß viele Gemeinden die schulische Grundausbildung ihrer Kinder wieder in die eigene Hand nehmen werden. Das ermöglichte ihnen die unmittelbare Aufsicht über Lehrer und Lehre. Und es wäre sicherlich auch der Erziehung ihres Nachwuchses in jeder Hinsicht förderlich.
Das aber bedeutete die Wiederkehr von Zwergschulen, oft die Unterrichtung mehrerer Jahrgänge in einem Raum. Das wird als pädagogischer Irrsinn betrachtet.
Ins Auge indessen springen zunächst einige Vorteile: An einer kleinen Schule fällt es den Kindern leichter, sich geborgen, sich anerkannt zu fühlen (Massenschulen sind alles andere als kindgerecht). Sodann entfällt die frühe Fahrschülereigenschaft mit allen Auswirkungen, die diese enthält. Auch schafft ein großes Lehrerkollegium selten ein der Motivation des einzelnen bekömmliches Klima.
Was nun die Pädagogik anbelangt, so fällt ein Vergleich der Leistungen und Erfolge zwischen Massen- und Zwergschule zumeist zugunsten der letzteren aus.
Auf dem Schauinsland bei Freiburg – so berichtete die Süddeutsche Zeitung am 6.3.2001 – darf eine einklassige Grund- und Hauptschule aus einem Lehrer und 15 Schülern bestehen bleiben, weil die einzige Zufahrt für Schulbusse zu steil ist. In ihr ist in den letzten 27 Jahren kein Schüler „sitzengeblieben“. Ein Sonderschüler, in die Klasse 4 aufgenommen, der sich vorher allem verweigert hatte, machte hier einen befriedigenden Abschluß. Und die seinerzeitige Kultusministerin von Baden-Württemberg, Annette Schawan, erklärte, nachdem sie einen halben Vormittag am Unterricht teilgenommen hatte: „Der jahrgangsgemischte Unterricht eröffnet vielfältige Möglichkeiten für kognitives und soziales Lernen. Differenzierende und individualisierte Lernangebote entsprechen dem jeweiligen Lernstand und Lerntempo des Kindes“.
Weiterführende Schulen, so ist anzunehmen, werden zumeist von privater Seite betrieben werden. Was an ihnen geschieht, bleibt den Lehrenden und Lernenden, bzw deren Eltern, überlassen. Die Zweckmäßigkeit wird verlangen, daß jede weiterführende Schule genau festlegt, welche Kenntnisse sie bei ihren zukünftigen Schülern voraussetzt. Und sie wird durch eine Aufnahmeprüfung feststellen, ob sie vorhanden sind. Das gibt den grundlegenden Schulen Anhalt für die zu erreichenden Lernziele.
Für die Universitäten gilt das gleiche. Auch sie werden sich in privater Hand befinden oder von der Industrie betrieben werden. Sie werden allgemein zur Kenntnis geben, welche Voraussetzungen sie bei ihre zukünftigen Studenten erwarten. Und sie werden deren Vorhandensein vor Aufnahme prüfen, sich ihre Studenten aussuchen. Danach haben sich die Gymnasien mit dem bei ihrem Abschluß zu erreichenden Zielen zu richten, es wird sie zu besonderer Leistung anspornen.
Private Schulen kosten Geld. Dazu ist zunächst festzustellen, daß jeder Bürger mehr Geld in der Tasche hat, wenn die staatliche Steuerlast wegfällt, die ja heute über 50 Prozent der Bruttobezüge abschöpft. Nur die Gemeinde erhebt Steuern, aber voraussehbar in wesentlich geringerem Umfang. Sollte dennoch eine Familie die Zahlung des Schulgelds überfordern, dürfte die Gemeinde einspringen. Es ist anzunehmen, daß die Mehrheit der Bürger einer Gemeinde ein Interesse daran hat, jedes Kind der Gemeinde, das die Eignung besitzt, in die bestmögliche Ausbildung zu bringen.

Selbstbestimmung und freier Wettbewerb dürften auch der Bildung und Erziehung besser bekommen als Fremdeinwirkung und Nürnberger Trichter.

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