Die Banlieue brennt.

Frankreich ruft den Notstand aus. Ausgehverbote, mehr Polizisten, Einsperrung und zustzliche Problemberater, das wird die jungen Leute der Stadtrandsiedlungen davon abhalten, weiterhin Autos und Gebude abzufackeln.

Wie in den Staaten blich, werden die Auswirkungen bekmpft - vornehmlich durch Freiheitseinschrnkungen und Verstrkung staatlicher Gewalt. Die Ursachen indessen bleiben unberhrt. Sie bleiben auch erhalten, selbst wenn die Auswirkungen vorbergehend zum Erliegen gebracht werden.
Was aber ist die Ursache des Brandstiftens in franzsischen Stdten?
Da wachsen junge Leute in festen Husern auf, in einigermaen eingerichteten Wohnungen, ausreichend mit Nahrung und Kleidung versorgt, zur Schulausbildung angehalten. Der Staat gibt ihnen alles, was sie brauchen. Selbst wenn sie keine Ausbildung oder keine Arbeitsstelle erhalten, das zum Lebensunterhalt Notwendige schenkt er ihnen ohne Gegenleistung. Was wollen sie mehr? Wo bleibt die Dankbarkeit?
Ich will eine Familie grnden, Kinder haben, lie sich ein junger Mann aus jenem Milieu vernehmen. Was rt ihm da der pdagogische Sozialberater? Eine Ausbildung machen, eine Anstellung suchen! Doch da liegt der Hase im Pfeffer. Es gibt zu wenig Arbeitspltze, daher zu viel Bewerber um die bestehenden Pltze. Und bei der Auswahl ziehen die Arbeitgeber Altfranzosen den Neufranzosen vor.
Wieder ist nach dem Warum zu fragen. Haben die Arbeitgeber mit den Neufranzosen schlechte Erfahrungen gemacht? Mangelt es ihnen an Flei oder sind sie schlecht ausgebildet? Oder haben sie nur einen schlechten Ruf? Wenn ja, dann haben sie ihn jetzt durch ihre Krawalle nicht verbessert.
Was also ist zu tun? Wie kann der Staat die Arbeitgeber dazu bewegen, den Neufranzosen bei der Besetzung ihrer wenigen freien Arbeitspltze bessere Chancen einzurumen? Vermutlich gar nicht. Auch hier ist der Staat berfordert - deshalb unternimmt er auch keine ernst zu nehmenden Versuche. Die Ursache also bleibt erhalten. Sie wird sich weiterhin auswirken - der Frust, die Wut wird sich ein neues Ventil suchen, der Flchenbrand ist vorprogrammiert.

Was wrde der Fderalismus verndern?
Hochhaussiedlungen sind nicht gerade eine ideale Grundlage fr eine Gemeindeautonomie. Aber auch hier wirkt das eherne Gesetz der Gewalteindmmung (Ulrich Beck): Selbstkontrolle schlgt Fremdkontrolle. Freiheit verleiht Flgel.
Die auf sich gestellten Bewohner solcher Siedlungen sind - wie alle anderen - gentigt, Ordnung und Recht herzustellen. Dazu bedrfen sie keiner Anleitung.
Zur Befriedigung ihres Bedarfs an Nahrung und Kleidung, an Schulung und Ausbildung, an Abnahme des Abfalls und der Abwsser usw. drften sich aus ihrer Mitte Leute finden, die sich der Sache annehmen, die darin ihre Chance auf Broterwerb sehen.
Was zunchst fehlt, ist Geld. Da mten und wrden im Fderalismus wohlhabendere Gemeinden helfen. Diese drften allerdings nicht - wie dies heute mit der Entwicklungshilfe geschieht - Gelder an die Gemeindeoberen verteilen. Sie mten statt dessen in den zu untersttzenden Gemeinden Banken einrichten, die die Brger, die ein aussichtsreiches Gewerbe aufzunehmen gedenken, mit den bentigten Werkzeugen und Mitteln ausstatten und Unternehmern, die eine Strae, ein Klrwerk bauen, einen Betrieb oder eine Schule einrichten wollen, erlauben, ihr die Rechnungen fr die bentigten Mittel sowie die Nachweise fr die geleisteten Arbeitsstunden vorzulegen. Die Begleichung der Rechnungen und die berweisung der Lhne sollte zunchst die Bank bernehmen, um Betrug und ungerechtfertigte Bereicherung zu vermeiden.
Auf diese Weise wre auch Trabantenstdten der Weg in eine selbstndige Zukunft zu ermglichen.