Die Sache deprimiert.

Jeder vierte Europer ist psychisch krank, teilte die EU am 17. Oktober mit. Mehr als 27 Prozent der Erwachsenen der EU bekmen jedes Jahr entsprechende Probleme. Am hufigsten trten Depressionen und Angststrungen auf.

Psychische Erkrankungen seien die Hauptursache fr die jhrlich rund 58 000 Selbstttungen in der EU. Das bertreffe die Zahl der Verkehrstoten. Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen seien beachtlich. Psychische Erkrankungen belasteten das Gesundheits- und Bildungswesen sowie die Justiz. Zusammen mit Produktionsausfllen verringere dies die Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt) in Hhe von drei bis vier Prozent.
Gesundheitskommissar Markos Kyprianou kndigte an, die Brsseler Behrde wolle mit den Mitgliedsstaaten einen Aktionsplan zur Psychischen Gesundheit entwickeln.
Da mu man doch Hurra schreien. Die EU wird den Entmndigten und Entwrdigten, den Alleingelassenen und auf sich selbst Gestellten wieder Lebensmut einhauchen. Die Pharma-Industrie wittert Morgenluft.
Gut sind sie, die Leute, die wir unser Geschick bestimmen lassen. Wenn ein Problem zu gro wird, als da man es bersehen knnte, macht es sich gut, bedeutsamen Blickes darauf hinzuweisen. Sodann ist Betriebsamkeit vorzufhren. Ein Gremium ist zu bilden, Universitts-Institute sind zu beauftragen, Studien sind anfertigen zu lassen. Das ist nicht ganz billig, aber Geld ist ja vorhanden und will sinnvoll verwendet werden. Nach vielen Jahren liegen dann mindestens zwei Handlungsvorschlge vor. In der Regel widersprechen sie sich. Obendrein sind sie unbrauchbar. Denn ihnen war nur erlaubt, sich mit den Auswirkungen auseinanderzusetzen, die Ursache - den Staat und seine unausweichlichen Folgeerscheinungen - muten sie unangetastet lassen.
Auch ohne wissenschaftliche Weitschweifigkeit wissen wir, was uns krank macht. Es ist das abgekhlte soziale Umfeld. Die Familie ist zerbrochen, Nachbarschaft, Gemeinschaft gibt es nicht mehr. Geborgenheit, eines unserer Grundbedrfnisse, macht ihre Unverzichtbarkeit deutlich.
Angeblich genieen wir die Ungebundenheit. Da sie uns nicht froh macht, verdrngen wir. Doch in Wahrheit bekommt uns die Isolation nicht. Wer von niemandem mehr angesprochen werden will, kann sich auch an niemanden mehr anlehnen.
Kant zufolge leidet der Mensch an seiner ungeselligen Geselligkeit. Er kann seine Mitgenossen nicht wohl leiden, aber er kann nicht ohne sie auskommen.
Wrme und Nhe bringen lstige Einmischung. Sie lassen aber auch manche Torheit in den Gedanken verdmmern.
Was also ist ntig? Familie und Gemeinde mssen wiederbelebt werden. Dem stehen die Staaten kraft ihrer Eigenart entgegen. Auch hier hilft nur die Gemeindeautonomie des Fderalismus.