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Nicht nur die Parteien, die Staaten sind am Ende.


Seit mehr als einem Jahrzehnt erklärt uns der amerikanische Soziologe Daniel Bell, daß die Staaten zu klein seien, um die großen Probleme der Menschheit zu lösen, und daß sie zu groß seien, um mit den kleinen Problemen fertig zu werden.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Es ist nicht nur so, daß mit den Mitteln, die die Staatsorgane haben, die anstehenden Probleme nicht zu lösen sind. Die Sache steht schlimmer. Die Eigenart der Staaten verstärkt und verschärft die Probleme fortwährend und läßt neue aufwachsen.
Die Staaten, je größer sie sind, verändern das Umfeld und dadurch das Verhalten ihrer Bürger. Sie unterliegen dem Zwang, ihren Bürgern Gutes zu tun und sie gleich zu behandeln. Das läßt sich nur bewerkstelligen, indem sie alle Macht an sich ziehen und alle Werte und Rechte vereinheitlichen. Das hinwiederum führt einerseits zur Auflösung der gewachsenen Strukturen, also zur Vermassung und Entwurzelung, andererseits zu Entmündigung und Bevormundung.
Die Staaten nehmen ihren Bürgern den sozialen und moralischen Halt. (Den kann nur eine überschaubare Gemeinschaft bieten. Und nur diese verleiht Geborgenheit, ein Grundbedürfnis, dessen Bedeutung immer deutlicher wird.)
Der auf sich gestellte und entmachtete Bürger findet sich in einem erkalteten, bürokratisierten Umfeld wieder. Hier wird er erdrückt, wenn er nicht die Ellbogen ausfährt. Das System erzwingt, sich selbst der Nächste zu sein. Es erzeugt den krassen Egoisten.
Das aber hat schwerwiegende Auswirkungen. Wir beklagen den Geburtenrückgang, die Vernachlässigung/Mißhandlung von Kindern, die Zunahme der Ehescheidung, die Gleichgültigkeit gegenüber Belangen der Gemeinschaft, das Ansteigen der Gewaltbereitschaft sowie das Absinken der Hemmschwelle vor unmoralischem oder rechtswidrigem Verhalten.
Es hat auf wirtschaftlichem Gebiet die Unbedenklichkeit und Kaltschnäuzigkeit der Arbeitgeber zur Folge. Wo der Staat jedem seiner Bürger tief in die Tasche greift, dem tüchtigen tiefer als dem untüchtigen, andererseits seine Aufgaben nicht erfüllt, da wird zur Lebensnotwendigkeit, selbst Vorsorge dafür zu treffen, daß es einem an nichts mangelt - ohne Rücksicht auf Recht und Moral.
Die Eigenart der Staaten ist an allem schuld. Ohne Änderung der Verhältnisse, ohne die Wiederherstellung von Geborgenheit und die Einräumung von Selbstbestimmung und Mitwirkung wachsen die Probleme unablässig weiter auf, ist weder die Arbeitslosigkeit zu beheben und die Rente zu retten, die Bildung zu verbessern und die Kriminalität zu kappen, noch das Überleben der Menschheit auf diesem ausgelaugten Planeten zu sichern .

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