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Wider die faulen Freiheitsfreunde


In vielen Zirkeln, Foren, Instituten und Parteien treten sie an, die Freunde der Freiheit, schwenken ihre Fahne. Aber wo die volle Freiheit winkt, schrecken sie zurück.

Da sind zunächst die Liberalen. Einer ihrer Stammväter, Wilhelm von Humboldt, entwickelte "Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen". Er zog sie sehr eng. Der Reichsfreiherr vom Stein schuf eine Städteordnung, die den Staat nachhaltig entmachtete. Auch die Landgemeinden vom Staat zu befreien, war ihm nicht mehr vergönnt.
Anders die Liberalen von heute. Daß sie sich dadurch auszeichneten, der Staatsallmacht mit guten Argumenten entgegenzutreten, lassen sie die Öffentlichkeit nicht verzeichnen.
Nun machen sich neuerdings Geister auf, die dem Etatismus endgültig den Kampf ansagen. Sie nennen sich libertär oder anarchokapitalistisch. Unter den Anhängern dieser Denkrichtung herrscht weitgehend Einigkeit, daß die Vorstellung, die die Gestalter der Gegenwart vermitteln, jene vom freiheitgebenden, friedenstiftenden, wohlstandmehrenden Staat ein Trugbild ist.
Tatsächlich erfüllt die Verkennung oder Bestreitung dieser Fiktion seit einigen Jahrhunderten die Geschichte mit Klagelaut und Kampfgeschrei. Demokratie hieß, was Segen bringen sollte. Doch die Eigenheit der Staaten verbrannte auch den Gedanken der Volksherrschaft.
Das, was Humboldt und Stein noch den Staaten zugestanden, nämlich für Sicherheit zu sorgen, leisten die modernen Demokratien weder nach innen noch nach außen. Vor Betrug, Diebstahl und Verletzung muß sich jeder selbst schützen, was immer häufiger mißlingt. Terror provozieren die Staaten, vom Krieg können sie nicht lassen. Gewalt und Gegengewalt wohnen den Staaten inne, sind in ihnen angelegt.
Und inwiefern der Staat die Aufgaben bewältigt, die er, der gefräßige Leviathan - allen altliberalen Abmahnungen zum Trotz -, inzwischen verschlungen hat, machen die täglichen Schlagzeilen deutlich. Es ist nicht nur so, wie der französische Philosoph Ranciere meint, daß die moderne Demokratie ein Zustand sei, in dem alles in hektischer Bewegung ist, die Übelstände aber bestehen bleiben. Die den Staaten inhärenten Eigentümlichkeiten vermehren und verstärken die Übelstände fortwährend.
Wenn man nun aber die Staaten aus der Pflicht nimmt, was sorgt dann für Recht und Ordnung? Diese Frage beantworten die Libertären und Anarchokapitalisten sehr unterschiedlich und auch überwiegend vage.

Roland Baader begnügt sich damit, "dem Staatsmoloch sein Mastfutter wegzunehmen: das von ihm selber beliebig erzeugbare, beliebig vermehrbare und beliebig entwertbare papierene Falschgeld". Alle anderen Bemühungen führen - ihm zufolge - "zum Ende der Zivilisation und zum Verlust aller Freiheit" (Roland Baader: "Stählerne Fesseln der Hörigkeit" in Vertrauliche Mitteilungen vom 27.12.2004, Seite 7).
David Friedman, Sohn des Nobelpreisträgers Milton, ist "für den stückweisen Rückzug des Staates. Weite Teile können wir sofort privatisieren. Bei Recht und Sicherheit würde ich es behutsam angehen lassen". Befragt nach seiner Zeitvorstellung meint er: "Ich halte es aber für eher unwahrscheinlich, daß wir so schnell auch einen einschneidenden Staatsabbau in der realen Welt erleben werden." (ef-magazin, Dez. 2004, Seite 47)
Als hätten wir alle Zeit der Welt. Erträgt die Umwelt und ertragen die demographisch-sozialen Verhältnisse die sie destabilisierenden Aktionen noch über Jahre und Jahrzehnte? Die Union of Concerned Scientists (UCS), der immerhin mehr als hundert Nobelpreiträger angehören, sieht das weniger optimistisch. Auch die 150 Wissenschaftler, die im Jahr 2000 der UNO ihren Bericht zur Entwicklung der Welt vorlegten, kamen zu einer weniger günstigen Prognose.
Es mag ja, wie einige Libertäre sich sicher sind, auch nach dem Waldsterben noch ein Leben geben - aber doch wohl nur für die Begüterten, mit Atemmasken und in klimatisierten Häusern. Indes, wird es dem Frieden bekömmlich sein, wenn die Verursacher von Not und Tod stets ungeschoren davonkommen? Sind die hochverschuldeten Gemeinwesen in der Lage, die bisher ständig vergrößerten Wüsten wieder zu begrünen ? Oder haben wir die Naturgesetze, das Gesetz von Ursache und Wirkung für diesen Planeten außer Kraft gesetzt?
Vielen Freunden der Freiheit ist die Einordnung in eine Gruppe ein Greuel, selbst wenn diese sich gestalten dürfte, wie sie wollte. Sie vernachlässigen, daß, wer auf sich gestellt im Gewimmel seiner Mitmenschen seinen Weg sucht, die Möglichkeit der Einwirkung auf das Geschehen um sich herum verliert. Ihm bleibt nur die Freiheit der Reaktion. Er wird über kurz oder lang nicht umhin kommen, sich zu bewaffnen, sein Auto zu panzern, sein Haus in eine Festung zu verwandeln - ohne Sicherheit zu erhalten vor Verletzung und Besitzerleichterung. Denn diejenigen, die die Verhältnisse weniger begünstigen, wird dies lediglich dazu anregen, sich raffiniertere Methoden auszudenken.
Ob neue Gesellschaftsformen, künstliche Konstruktionen, die sämtlich den freien Willen der Bürger desavouieren, Erfolg haben werden, ist mit Zweifeln zu behaften. Es bedarf keines großen Geistes, der hier Einhalt gebietet und dort zur Tat drängt oder der die verhängnisvollen Trends in erträgliche Bahnen lenkt (Marx's „Reich der Freiheit“, Küngs „Weltethos“, Becks „Kosmopolitismus“). Es bedarf lediglich, den seit langem bekannten Grundbedürfnissen des Menschen die Möglichkeit der Entfaltung zu geben.
Was denn würde geschehen, wenn man die Staaten auflöste und dem freien Willen der Individuen seinen Lauf ließe? Chaos, wie die Staatsgläubigen garantieren, der Krieg aller gegen alle, wie Thomas Hobbes prophezeiht?
Es ist doch durchaus nicht so, daß darüber keine Erfahrungen vorlägen. Immer wenn Menschen (oft nach langem Kampf) gezwungen waren, ihre Verhältnisse unbeeinflußt zu ordnen und dabei der Staatsgedanke von vornherein verworfen wurde, entstand das Gegenteil von Chaos. Aus der vollen Freiheit und dem Verlangen, sie zu behalten, sind die gedeihlichsten und beständigsten Ordnungen hervorgegangen (Island, Dithmarschen, Schweiz). Sie unterlagen sämtlich dem gleichen Merkmal: Die auf Selbständigkeit bedachten Bürger schlossen sich zu Gemeinden zusammen, in denen sie untereinander ihre inneren Angelegenheiten regelten. Um dem entgegenzuwirken, was von außen kam, schlossen die Gemeinden sich mit Nachbargemeinden zusammen - es entstand, was seinerzeit mit dem Begriff Föderalismus belegt wurde.
Freie Menschen also verhalten sich offensichtlich viel verständiger, als es uns Staatspolitiker und einige Wissenschaftler weismachen wollen. Und sie schaffen von sich aus genau das, was die Schule der Freiheit, so auch die österreichische Schule der Ökonomie vorschreibt: Selbständigkeit, Eigenverantwortung, eigenständige Gruppen, die sich gegenseitig respektieren (allein aus Eigennutz), freie Gruppenwahl des einzelnen.
Mit ein bißchen mehr Freiheit hier und ein bißchen weniger Staat dort ist nichts mehr zu bestellen. Die Zeit für Kompromisse, für Stückwerk, für Halbheiten ist vorbei. Wenn wir leben wollen, werden wir jetzt eine Ordnung herstellen müssen, die Frieden schafft und das Erhalten der Lebensbedingungen auf der Erde ermöglicht.
Dabei ist Gewalt weder ratsam noch nötig. Demokratie (welcher Staat nennt sich heute nicht demokratisch?) muß sich dem Volkswillen beugen. Es gilt also lediglich, dem Volk das, was es ohnehin ersehnt, als von der Sache her nötig, von der Vernunft geboten und, da erfolgreich erprobt und ökonomisch sinnvoll, auch als realisierbar und gedeihlich zu erklären. Und der Übergang könnte sich so vollziehen, daß Sicherheit und Recht nicht verloren gingen.
Der deutsch-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Hoppe ist wohl gegenwärtig der vehementeste Vorkämpfer der vollen Freiheit. Seine „natürliche Ordnung“ verlangt Selbstbestimmung des einzelnen und der von ihm gewählten Gruppe - „Lokalautonomie“ (Hans-Hermann Hoppe: „Demokratie. Der Gott, der keiner ist“, 2003, Verlag Manuskriptum, Waltrop und Leipzig). Auch wenn er ihn nicht nennt, er fordert den nachhaltigen Föderalismus.
Nur der Föderalismus von unten, jener, der das Subsidiaritätsprinzip in seiner unverfälschten Form verinnerlicht, vermag zu leisten, was heute gesellschaftspolitisch zu fordern ist.
Im übrigen erzieht Freiheit zu Verantwortung. Nur von freien, ihrer Verantwortung bewußten Bürgern ist zu erwarten, daß sie sich zu der heute von den Umständen erheischten Mäßigung bereitfinden.
Nur die volle Freiheit kann uns jetzt noch helfen. Wir werden sie zur Geltung bringen, oder wir werden erleben, was wir verursachen.


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