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Wahlen im Irak


Jeder, der sich vor dem US-Einmarsch die Verhältnisse im Irak vergegenwärtigte, hätte vorhersehen können, was sich jetzt abzeichnet. Damals hielt Saddam Hussein mit eiserner Hand zusammen, was nicht zusammen paßte. Es gab kein irakisches Volk. Es gab unterschiedliche Volksgruppen, die die Briten zwischen 1921 und 1924 gegen ihren Willen unter ein Staatsdach vereinigt hatten.

Die beiden Golfkriege nun haben die Spaltung der Volksgruppen noch vertieft. Die Kurden hatten sich eine gewisse Autonomie erkämpft. Die Schiiten dagegen litten vermehrt unter der sunnitischen Vorherrschaft.
Durch die jetzt erfolgten Wahlen, an denen die Sunniten praktisch nicht teilnahmen, erhalten die Eigenständigkeitsbestrebungen zwangsläufig neue Nahrung. Die Kurden erklären unmißverständlich, daß, wenn ihnen schon der eigene Staat nicht zugebilligt wird, ihnen zumindest eine weitgehende Autonomie zuteil werden muß. Und die religiösen Führer der Schiiten, deren Einfluß auf ihre Glaubensgenossen unzweifelhaft größer ist als der ihrer aus dem Ausland zurückgekehrten politischen Führer, treten für ein islamisch geprägtes Gemeinwesen ein, ähnlich dem im Iran. Zurück bleiben die Sunniten und die noch nicht vertriebenen chaldäischen Christen.
Was vorher nicht zusammenpaßte, nach allem, was inzwischen geschehen ist, jetzt läßt sich das noch weniger unter einen Hut bringen. Einer Teilung jedoch wird die Gemeinschaft der Staaten nicht zustimmen, weil das den Bestand einiger ihrer Mitglieder gefährden würde. Damit ist unausweichlich, was wir erleben werden, einen weiteren Dauerkriegsherd.
Erneut zeigt sich, daß nur der Föderalismus uns vor dem Absturz in eine unheilbar zerstrittene Welt retten kann.
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