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Vom Sein und Bewußtsein, ein Versuch am Wesentlichen.


Der Mensch hat mittlerweile weitgehend entschlüsselt, wie seine Umwelt gestaltet ist. Er weiß, daß er einen kleinen Körper im All bewohnt, dem astronomischer Zufall günstige Bedingungen für die Entwicklung und Entfaltung von Leben gewährt. Und er erfährt und beobachtet, daß er selbst diese Bedingungen ungut beeinflußt, seit einigen Jahren mit zunehmend bedrohlicher Wirksamkeit.

Nebenbei hat sich der Mensch die Macht verschafft, alles Leben auf seinem Planeten auszulöschen. Er kann dies mit einem Schlag bewerkstelligen oder in Raten, absichtlich oder nachlässig.
Es hat jedoch nicht den Anschein, als habe der Mensch verinnerlicht, welche Verantwortung ihm mit diesem Wissen und Können zugewachsen ist. Er verhält sich, als schwänge er noch die Keule. Zwischen seinem Sein und seinem Bewußtsein klafft eine bedenkliche Lücke.
Das Geschehen auf seinem Planeten hat der Mensch Einrichtungen überantwortet, die jedem Außenstehenden widersinnig erscheinen müssen. Gleichwohl erwartet er von ihnen die Lösung aller Probleme. Sie sollen Frieden stiften, Ordnung herstellen, Freiheit vermitteln und Wohlstand schaffen. Dazu hat er ihnen Unantastbarkeit verliehen, Ewigkeitsgarantie gegeben, feiert sie mit Fahne und Hymne, spricht sie heilig.
Allein, über die Zeiten hinweg gab es kaum einen Staat von Bedeutung, der mehr als eine Generation seiner Bürger in Frieden hielt. Inzwischen ist der Krieg geächtet. Doch die Gegensätze sind nicht beseitigt. Es ist sogar anzunehmen, daß sie sich verstärken, je mehr sich die Menschheit vermehrt und die Ressourcen schwinden. Kein Staat daher verzichtet auf Rüstungsanstrengungen.
Zur Bewältigung der aufwachsenden Zivilisationsprobleme haben sich die Staaten zusammengeschlossen. Einrichtungen der Vereinten Nationen beobachten die verhängnisvollen Entwicklungen. Und in immer kürzeren Abständen ruft die Weltorganisation ihre Mitglieder zusammen, um sie zu Gegenmaßnahmen zu veranlassen – enorm kostenträchtig, aber ohne den nötigen Erfolg.
Durchaus könnte sein, daß es ohne die Vereinten Nationen noch mehr Kriege und noch mehr Menschenrechtsverletzungen in jüngster Zeit gegeben hätte. Doch disziplinieren hat die UNO die Staaten nicht können. Im Gegenteil, neuerdings foltern sogar die Musterdemokratien. Und ein mit dem Friedensnobelpreis ausgestatteter Staatsgewaltiger läßt auf fremdem Territorium Menschen ermorden.
In ihrem Inneren sehen die Staaten die Aufrechterhaltung von Ordnung als ihre Hauptaufgabe an. Dazu setzen sie Recht und schaffen die Struktur, es durchzusetzen. Indes, an Recht ersticken die Staaten zunehmend und Gerichte und Verwaltung bleiben mehr und mehr schuldig, was von ihnen verlangt werden muß. Trotz fortgesetzt erweiterter Reglementierung, vermehrter und verstärkter Geheim- und Sicherheitsdienste gelingt es den Staaten immer weniger, ihre Bürger vor Verletzung und Verlust zu schützen. Insbesondere der Betrug wächst sich zur allgegenwärtigen Plage aus.
Zunehmend obendrein erweist sich, daß sich die sozialen Probleme von oben - durch Verallgemeinerung und Vereinheitlichung - nicht lösen lassen. Die Menschen und ihre Lebensumstände offenbaren sich als zu unterschiedlich. Trotz mit Ausnahmen und Besonderheiten gespickter Regelungen sind Gleichheit und Gerechtigkeit nicht herzustellen; so jagt eine Reform die andere.
Freiheit und Staat, diesen Widerspruch in sich, soll Demokratie auflösen. Indes, die Teilnahme an der Macht läßt sich in den Staaten aufgrund ihrer Größe nur indirekt (repräsentativ) erwirken. Dieses Manko erweist sich als besonders bedenklich, weil die Repräsentanten sich nur allzu leicht durch die ihnen erteilte Macht korrumpieren lassen.
Außerdem neigen die Staaten dazu, immer weniger an Entscheidungen dem einzelnen und den Kommunen zu überlassen, sondern zu vereinheitlichen, zu bevormunden und zwangsweise zu betreuen.
Freiheit in der Demokratie bleibt auf die Möglichkeit beschränkt, an der Auswahl der Mächtigen teilzunehmen. Resignierend hat sich die Auffassung durchgesetzt, daß mehr Freiheit auch nicht verlangt werden dürfe.
Der Wohlstand schließlich, sofern von ihm die Rede sein kann, steht auf tönernen Füßen. Die Wirtschaft kommt allzeit und überall sehr gut ohne den Staat aus. Die Staaten indes, abhängig von ihr, schaffen durch ihre Anmaßung, die Wirtschaft zum Wohl aller regeln und steuern zu können, Verwerfungen auf dem Markt. Das zieht weitere Eingriffe nach sich – mit der Folge weiterer Verwerfungen.
Überwiegend durch ihre betreuerischen Absichten (Herstellen sozialer Gerechtigkeit) verschulden sich die Staaten in einem Ausmaß, das kein noch so starkes Wirtschaftswachstum je wird beseitigen können (zumal für ein kommendes Wachstum die Voraussetzung fehlt: vermehrte Kaufkraft ist nicht zu haben, wo die Staaten ihren Bürgern immer tiefer in die Tasche greifen – greifen müssen!).
Realiter können sich die Staaten nur über die Enteignung ihrer Bürger sanieren, durch Inflation, Steuererhöhung oder Zugriff auf deren Ersparnisse in einer Währungsreform.
Ob vorhandener Wohlstand je das Verdienst eines Staates war, ist umstritten. Jetzt indessen stehen die Staaten allesamt kurz vor ihrem Bankrott.
Die Staaten haben seit ihrem Bestehen allenfalls vorübergehend geleistet, was ihre Bürger brauchten oder für sie von Nutzen war. Statt dessen haben sie deren Vertrauen oft mißbraucht und sie ohne Not in ärgste Bedrängnis gebracht Gleichwohl leiten die Befürworter der Staaten deren Existenzberechtigung aus der Einrede ab, daß es ohne sie zu einem dauerhaften Desaster käme.
Indes, bisher zeigt sich Chaos ausnahmslos als Folge des Staatsgedankens. Entweder gelingt es nicht, einen zerfallenen Staat wiederherzustellen oder aus seinen Teilen neue zu errichten. Oder es streiten sich zwei Staaten um ein Gebiet oder Teile davon. Oder ein Staat zwingt ein abtrünniges Volk unter seine Botmäßigkeit. Stets bleibt das Selbstbestimmungsrecht der Völker unbeachtet. Und freiheitliche Lebensformen, wo es sie noch gibt oder wo sie sich nach Ausbleiben einer Staatsgewalt neu entfalten, werden gewaltsam zugunsten staatlicher Gleichmacherei beseitigt.
Staaten im übrigen sind Gebietsfetischisten; selbst um den Besitz eines unbewohnten Felsens vor ihrer Küste streiten sie kriegslüstern.
Nüchtern betrachtet sind alle vor- und außerstaatlichen Lebensformen freiheitlicher, friedlicher und zuträglicher verlaufen als die staatlichen. Und heute ist nicht zu übersehen, daß es gerade die Eigenheit der Staaten ist, der alle Gefahr entwächst.
Obwohl der Stand der Dinge kaum anders beurteilt werden kann, geht eine Mehrheit davon aus, daß die gegenwärtigen Verhältnisse noch Jahre oder gar Jahrzehnte fortdauern könnten.
Dabei ist Kritik durchaus verbreitet. Es gibt kaum einen Zeitgenossen, der nicht wahrnähme, daß nicht gut gehen kann, was die Staaten vollführen (Jeder weiß es, doch keiner will es wissen). Die Bereitschaft jedenfalls, die Staaten in Frage zu stellen, ist bisher gering.
Hätte man vor zwanzig oder mehr Jahren einem denkenden Menschen die gegenwärtige Lage in all ihren Fassetten geschildert, er hätte sie nicht für möglich gehalten. Sie ist schlicht irreal, in einer Weise instabil, daß selbst das beträchtliche Beharrungsvermögen des Bestehenden ihr eigentlich nicht hätte standhalten dürfen.
Es ist schlimm, was sich da anbahnt. Noch schlimmer ist, daß die Mehrheit ihm stumpf entgegensieht. Nach Hitlers Krieg warfen junge Leute ihren Vätern vor, daß sie das Vorangegangene widerstandslos hingenommen hätten. Diese wehrten sich mit der Behauptung, sie hätten von den Abscheulichkeiten nichts gewußt.
Was auf unsere Kinder und Enkel in nächster Zukunft zukommt, ist ungleich schwerwiegender. Doch die heute handelnde Generation kann sich nicht auf die gleiche Weise herausreden. Die Mütter und Väter von heute müßten schon jede informative Sendung, jede Nachrichtenseite der Zeitungen vermeiden, um sich ahnungslos zu stellen.
Weil das, was sich da ankündigt, nicht sein kann, nicht sein darf, wird das Ignorieren und Verdrängen zur gängigen Gepflogenheit.
Die Frage, die sich heute jeder, der nicht Wegschauen will oder kann, stellen muß, ist, gibt es einen Weg aus der Bedrängnis.
Hoffnungsträger setzen auf weniger Staat. Ihnen zufolge könnte der auf eine Kernaufgabe beschränkte Staat mit den anderen jene Gemeinsamkeit herstellen, die zum Erhalt der Lebensgrundlagen und zur Bewahrung des Friedens nötig ist, und in seinem Inneren für das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl (J. Bentham) die erforderlichen Voraussetzungen schaffen.
Die Staaten indessen werden ihre Selbstsucht kaum verlieren. Wer immer in ihnen regiert, er kann nicht zulassen, daß die Einrichtung oder sein Amt Schmälerungen erfährt. Er ist und bleibt darauf angelegt, das Wohl der Bürger seines Staates zu fördern und Schaden von ihm und ihnen abzuwenden. Das Wohl der Menschheit insgesamt bleibt daher hinten angestellt und die Konkurrenzsituation der Staaten untereinander erhalten.
Überdies erhebt sich die Frage, ob die im Staat Mächtigen sich mit dem bescheiden werden, was ihnen wohlerwogen zugestanden wurde. Daran darf man Zweifel hegen. Denn eine Staatsgewalt, der die Hände gebunden sind, müßte auftretende Probleme, die außerhalb ihrer Zuständigkeit liegen, unbeachtet lassen. Das freilich ist weder ihr noch den Bürgern zuzumuten. Folglich ist davon auszugehen, daß die Regierenden (mit dem stillschweigendem Einverständnis der Bürger) jede Gelegenheit nutzen werden, um die ihnen in der Verfassung gesetzten Grenzen auszuweiten. Tatsächlich würde ein Staat, der nicht die Allmacht besitzt, an seiner Leistungsschwäche scheitern.
Der gestutzte Staat mithin, the state light, behielte seine verhängnisvollen Eigenschaften. In der Vergangenheit gab es Monarchien, die den Regionen und Kommunen weitgehend Selbständigkeit beließen. Inzwischen läßt der Drang nach Vereinheitlichung und Reglementierung schon die Staaten hinter sich.
Aber wenn nicht der Staat, wer dann garantiert Ruhe und Frieden, verhindert den Krieg aller gegen alle (TH. Hobbes)?
Der Krieg, daran sei erinnert, ist eine Erfindung der Staaten. Er setzt die Unterwerfung unter eine Herrschaft voraus, die Aufgabe der Freiheit. Ohne Herrschaft gibt es keinen Krieg. Ohne Herrschaft gibt es keine Eroberung und Unterdrückung, keine Vertreibung und Ausrottung.
Daß ein einzelner zur Gewalt greift, kann keine Ordnung verhindern. Aber die Gewalt geführter Gruppen unterbleibt, wo Freiheit herrscht. Das hat sich über Jahrhunderte hinweg in freiheitlichen Gesellschaften (Island, Dithmarschen, alte Eidgenossenschaft) erwiesen.
Herrschaft nota bene üben auch Regeln aus. Einschränkungen der Freiheit, die weltweit durchgesetzt werden sollen (vorgebliche Menschenrechte) sind gegenwärtig das größte Hindernis für Frieden.
Was ist der Mensch? Auf diese Frage eine gesellschaftspolitisch brauchbare Antwort zu finden, ist das Gebot der Stunde.
Ist er, was er gegenwärtig überwiegend darbietet, der gediegene Untertan, gleichgültig gegenüber dem Ganzen, ohne moralischen Halt, gewieft auf seinen Vorteil bedacht? Ein Geschöpf ohne Ehre, ohne Stolz?
Oder muß man einen Unterschied machen zwischen seinem Auftreten und seinem Wesen? Einige Fachleute immerhin vermuten, daß gegebene Verhältnisse das Verhalten des Menschen bestimmen. Wenn das so wäre, verletzte möglicherweise der gängelnde, betreuende Staat dessen Selbstwertgefühl, beraubte die Zerschlagung der gewachsenen Gemeinschaften ihn seines Schutzes und Behütetseins, nähme der den Staaten eigene Machbarkeitswahn ihm die verlangte Freiheit. Das könnte Gegenreaktionen hervorrufen. Dann dürfte nicht verwundern, daß die von den Staaten betriebene Entwürdigung, Entmündigung und Entwurzelung die Folge eines Bürgers zeitigt, den eine Reihe psychischer Defekte plagen und der sich selbstischer verhält, als es seiner Natur entspricht.
Die Ursache der Bedrängnisse folglich ist möglicherweise nicht beim einzelnen Menschen zu suchen, nicht bei der Untugend oder Unfähigkeit der Regierenden, nicht bei der Hemmungslosigkeit der Reichen, nicht bei der Bedenkenlosigkeit der vielen, sondern bei den Verhältnissen, die das Leben bestimmen.
Doch wenn die Staaten das Verhängnis sind, was leistet dann, was heute zu fordern ist? Wie müßte die Ordnung aussehen, die die gegenwärtigen Probleme löst, dauerhaft Frieden herstellt und den Menschen mäßigt?
Von der gesuchten Ordnung liegt deren Basis auf der Hand. Sie wird ihren Zweck nur erfüllen, wenn sie den Menschen sein und bleiben läßt, wie er ist. Das heißt, er darf sich nicht artbedingt gegen sie auflehnen.
So gut wie alle Anthropologen übermitteln, daß den Menschen unverzichtbare Grundbedürfnisse leiten. Die gesuchte Ordnung also wird diese Bedürfnisse befriedigen müssen. Das heißt konkret, sie müßte einerseits Geborgenheit vermitteln und einen Vorschuß an Vertrauen gewähren, andererseits Selbstachtung und Freiheit darreichen.
Die Geschichte zeigt, daß eine Ordnung, die dies gewährleistet, nicht nur möglich ist, sondern sich sogar als sehr dauerhaft, naturverträglich und effektiv erweist. Freie Menschen hielten und halten Frieden untereinander und meistern jede auftretende Schwierigkeit ohne Freiheits- und Friedensverlust.
Die Fähigkeit zur Problemlösung wird erwiesenermaßen durch Freiheit nicht behindert, eher gesteigert.
Verhängnisvoll ist jeder Zwang. Die Staaten, zu denen es entwicklungsgeschichtlich vielleicht hat kommen müssen, sind unerträglich geworden. Jetzt ist darauf zu vertrauen, daß der befreite Mensch sich selbst die Voraussetzungen schafft, die sein Überleben auf diesem Planeten ermöglichen. Die Ordnung, die leistet, was heute zu fordern ist, muß von unten nach oben aus der Selbständigkeit aufwachsen.
Der Rütli-Schwur, erneut erhoben und aufgegriffen bis in den entferntesten Winkel, das ist nötig.
Wenn der Mensch den Mut nicht aufbringt, sich der Obrigkeit zu entledigen und die Sache selbst in die Hand zu nehmen, hat er keine Chance, die Zukunft zu bewältigen.
Mißtrauen verdient nicht der selbstsüchtige Mitmensch, solange Freiheit das gesellschaftliche Sein bestimmt. Mißtrauen dagegen ist angebracht gegenüber Besserwisserei und Bedenklichkeit – gegenüber der eigenen ebenso wie gegenüber der anderer.
Zweifelhaft ohne Frage ist, ob es gelingt, der Freiheit Raum zu geben, bevor die unkontrollierte Verzweiflung ausbricht - gerade angesichts des verbreiteten Nichtsehenwollens und des erzeugten Mißtrauens zum Mitmenschen. Doch wenn die Aussicht, vorher das Blatt zu wenden, nur eins zu Tausend stünde, wäre es nicht dennoch lohnend, sich dafür einzusetzen?
Und dann ist noch zu fragen, ob die uneingeschränkte Freiheit nicht, nachdem der Weltbrand stattgefunden hat, den Überlebenden zu empfehlen wäre. Damit fortan wenigstens das Nötige auf diesem Planeten geschieht.
J.D. Salinger meinte, dieser verfluchte Planet sei reif für die Bombe. - Den Planeten indes trifft keine Schuld. Die Mehrheit seiner Bewohner ebenso wenig.
Gier und Bedenkenlosigkeit, Auswuchs eines gesellschaftlichen Seins, das auf Gewöhnung, Bequemlichkeit und Feigheit beruht. Es gibt kein richtiges Leben im falschen (Th. Adorno). Den großen Machern, den Bevormundern, Betreuern, Wohltätern ist das Handwerk zu legen.
Karl-August Hansen

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