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Freiheit heißt Leben.


Gemäß Sir 15,14 hat Gott „am Anfang den Menschen erschaffen und ihm die Macht der eigenen Entscheidung überlassen“.

Dazu bringt C.-F. v. Weizsäcker in seiner Rede „Die Verteidigung der Freiheit“ Volkes Stimme zum Ausdruck: „Freiheit von Zwang, Freiheit, mein Leben selbst zu bestimmen, ist angenehm. Nimmt aber mein Mitmensch dieselbe Freiheit in Anspruch, die ihm angenehm ist, so geschieht es nur zu leicht, daß er meine Freiheit damit verletzt. Sollen er und ich frei sein, so müssen wir beide unsere Freiheit beschränken. Die Gesellschaft muß und darf daher, im Interesse der Freiheit aller, die Freiheit jedes einzelnen einschränken.“
Diese Weisheit nimmt Hans Küng zum Anlaß, die Menschheit seinem Weltethos zu unterwerfen. Es bestimmt, wie jeder Mensch sich verhalten soll, damit einem anderen kein Leid widerfährt und die Verhältnisse insgesamt sich bessern.
Die Frage indessen ist zum einen, ob uns alles, was dieses Ethos verfügt, überhaupt gesagt werden muß, ob wir nicht vieles von selbst oder von anderer Seite wissen. Zum anderen ist zu fragen, ob es je gelingen kann, den Anspruch der Allgemeinverbindlichkeit zu erfüllen. Und daran schließt sich die Frage an, wie man es dahin bringt, daß die Regeln, deren überwiegende Einhaltung in der Tat nötig ist, auch gemeinhin befolgt werden
Wir Menschen kommen als Gemeinschaftswesen auf die Welt. Uns sind gewissermaßen einige Verhaltensregeln genetisch eingepflanzt. So muß keinem Mitglied unserer Gattung beigebracht werden, daß es sich nicht gehört, einen Mitmenschen umzubringen. Eine darauf gerichtete Tötungshemmung ist jedem gesunden Menschen angeboren. Und die Generalregel. „Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu“ lernt jedes Kind beim Spiel mit anderen in der Sandkiste.
Jeder Mensch überdies ist durch die Umstände, die sein Leben bestimmen, an Verhaltensregeln gebunden. Das gilt für die Buschmänner und Massai in Afrika ebenso wie für jeden, der sich, wo auch immer, in eine Gemeinschaft einfügt. Im übrigen setzen die Religionen Ge- und Verbote, die sich im Wesentlichen gleichen. Ein Grundstock an Ethik also ist auch ohne weltweite Festlegung jedermann vorgegeben (selbst dem Atheisten).
Nun mag es über diesen Grundstock hinaus gehende ethische Forderungen geben. Diese indessen verallgemeinern, vereinheitlichen zu wollen, ist alles andere als empfehlenswert.
Denn gäben wir der Freiheit die Ehre, dürfte niemandem, vor allem selbstgewählten und selbstbestimmten Gruppen nicht verwehrt werden, eigenständig zu normen. Selbst wenn das zu Regeln führte, die überwiegend als verwerflich gelten. So könnte eine Gemeinde oder auch mehrere davon den Dieben unter ihren Mitgliedern die Hand abhacken und Ehebrecher steinigen. Das ginge die Mitglieder der anderen Gemeinden nichts an. Sie dürften ihrerseits der freien Liebe frönen, gleichgeschlechtlich heiraten oder den Teufel austreiben. Der freien Presse bliebe unbenommen zu geißeln, was ihr mißfällt, Geistliche dürften auf ihren Kanzeln sich entrüsten. Doch es wäre niemand da und es dürfte auch niemand da sein, der den Gemeinden die von ihr gewählte Verhaltensnorm verböte.
Nach über sechzig Jahren Erklärung der Menschenrechte, deren Einhaltung nach wie vor alle Regierungen vollmundig versprechen, sollte eigentlich jedermann klar sein, was von allgemeingültigen Regeln und Rechten bezüglich deren Befolgung und der Besserung der Verhältnisse zu erwarten ist.
Auf Wert und Wirksamkeit von Recht und Gesetz dagegen hat starken Einfluß, in wieweit der Mensch eigenständig bestimmen kann, welchem Recht er sich unterwirft sowie ob er an der Gesetzgebung unmittelbar mitwirken kann.
Sollten die Staaten sich auflösen oder von innen zerstört werden (was im Ansatz bereits geschieht), wird den sich bildenden Gemeinden kaum etwas anderes übrig bleiben, als nach und nach Regeln für den Umgang untereinander zu schaffen. Dabei allerdings blieben sie völlig frei, welches Verhalten sie sich gegenseitig vorschreiben und wie sie Fehlverhalten ahnden.
Unvermeidlich wird es, vollständige Freiheit vorausgesetzt, Streit geben, so auch zwischen zwei Gemeinden. Sei es, weil in der einen die Kirchenglocken zu grell schellen und in der anderen der Muezzin zu laut ruft, sei es, weil in der einen die Nacht zum Tag gemacht wird mit gräuslichen Geräuschen und Gerüchen, was die Bewohner der anderen unliebsam vermerken. Es kann und wird zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommen, wobei es Tote und Verletzte geben wird. Es kann auch geschehen, daß benachbarte Gemeinden sich mit einem der Widerparte solidarisieren. Jede Form von Streit und Krieg zwischen den Gemeinden und ihren Vereinigungen sind denkbar. Was aber nicht passieren kann und nicht geschehen wird, ist die Vernichtung einer Gemeinde - oder gar einer regionalen Gliederung. Denn das kann die Gemeinschaft der Gemeinden nicht dulden. Das würde die Freiheit aller aufheben, das ganze System zerstören. Dessen waren sich die Bürger freier Gesellschaften bewußt, wie aus der Geschichte hervorgeht (selbst die kampflüsternen Prärie-Indianer ließen die anderen Stämme leben), dessen werden sich mit Sicherheit die Bürger einer wahrhaft freiheitlichen Ordnung bewußt sein.
Im innerschweizerischen Sonderbundskrieg 1847, der 27 Tage dauerte und 150 Menschen das Leben kostete, wies der Befehlshaber der Armee des alten Bundes, der General Dufour, seine Soldaten an: „Ich will diese Schlacht gewinnen. Aber kämpft so, daß unsere heutigen Feinde morgen wieder unsere Freunde sein können.“
Im vollendeten Föderalismus wird es Romeo-und-Julia-Tragödien zu Hauf geben. Benachbarte Gemeinden müssen keine Freunde werden. Aber sie müssen einen Modus vivendi finden. Denn eines ist ihnen unverbrüchlich klar: ihr eigener Fortbestand hängt davon ab, daß auch ihre ungeliebten Nachbarn fortbestehen dürfen. Die Vernichtung einer Gemeinde verbietet sich den ihrer Freiheit Bewußten aus eigenem Interesse.
Freiheit schafft keine heile Welt. Auch selbstgesetzte Regeln werden nicht durchgehend befolgt. Edelmut und Heldentum (A. Huxley) werden weiterhin nicht nur bei Naturkatastrophen gefordert sein. Aber der Massenmord, wie die Staaten ihn an ihren eigenen Bürgern und an den Bürgern anderer Staaten verübten, gegenwärtig verüben und, so ihnen nicht das Handwerk gelegt wird, verüben werden, wird ein für alle Mal aus der Welt sein.
Ius summum saepe summa est malitia (Das beste Recht ist oft das schlimmste Übel, Terentius).
Inwieweit die Gemeinden dem Verbund, dem sie beitreten, erlauben, Gesetze zu erlassen, bleibt ihnen überlassen. Wobei ihnen angeraten ist, ihm enge Grenzen zu ziehen. Lediglich dem nach freier Föderalisierung zu schaffenden Weltbund ist zuzubilligen, für die Erhaltung der Lebensgrundlagen und die Nutzung des Gemeinschaftseigentums der Menschheit (die Pole, das Weltmeer, den Weltraum) die nötigen Regeln zu setzen.
Verbrechen und Vergehen ihrer Mitglieder dürften die Gemeinden selbst aburteilen wollen.
Hätte ein Gemeindeglied dem Mitglied einer anderen Gemeinde ein Leid zugefügt, so würden die Gemeinden im Verbund entscheiden, wer, welches Gericht, die Sache verhandelt.
Nehmen wir dazu einmal an, dem Gemeindeverbund sei nicht zugestanden worden, ein Strafgesetzbuch zu erlassen. Es läge also weder fest, was unter Strafe steht, noch wie, was anliegt, zu ahnden ist. Für Juristen ein undenkbarer Zustand, freie Rechtschöpfung. Das eingesetzte Strafgericht bliebe auf das Naturrecht verwiesen. Der Richter und die ihm beigegebenen Beisitzer oder Schöffen oder die Geschworenen hätten ihr natürliches Rechtsempfinden abzuklopfen. Ob dieses Verfahren dauerhaft gutgeheißen wird oder der Gemeindeverbund eine andere Regelung trifft, muß, wo Freiheit gilt, den Menschen der Region anheimgestellt bleiben.
Ob es Rechtsmittel und weitere Instanzen gibt, wird in jeder Region anders entschieden werden. So bleibt den Gemeindezusammenschlüssen und Föderationen auch überlassen, welche Gerichte sie dauerhaft einrichten oder von Fall zu Fall zusammentreten lassen. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, daß überall das Bemühen vorhanden sein wird, dem Bedürfnis nach Gerechtigkeit zu willfahren. Daran liegt jedermann. Deshalb ist auszuschließen, daß kein Weg gefunden wird, es zufriedenstellend zu verwirklichen.
Festlegungen, die überall und für immer Ruhe und Ordnung herstellen, wie sie blauäugig gefordert und beflissen vorgeschlagen werden, sind einerseits schlicht nicht zu treffen, weil es schlechterdings nicht gelingen kann, den Bedürfnissen aller Menschen und den sich verändernden Verhältnissen gerecht zu werden. Sie heben zum anderen die Selbständigkeit auf.
Die Welt der Freiheit ist niemals fertig. Die Gemeinden können ihre innere Befindlichkeit ändern so oft sie wollen, desgleichen die von ihnen geschaffenen Vereinigungen und Föderationen. Sie sind an kein Weltethos, kein Weltgesetz gebunden. Sie müssen nur selbst tragen, was sie tun und lassen.
Die freie Welt läßt fortlaufend Veränderungen zu, ohne darüber die geringste Einbuße an ihrem Bestand zu erleiden (was keiner anderen Ordnung zuträglich ist).
Dabei gehen die Veränderungen vom einzelnen Menschen aus. Ohne seine Beteiligung, ohne seinen Einfluß geschieht nichts. Dadurch bewahrt die freie Welt sowohl den Einfallsreichtum des Individuums, als auch dessen Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, auch Mäßigung zu üben. Und sie bleibt lebenswert, ist nicht tödlich langweilig.
Maßgebend für die Bereitschaft des Menschen, Regeln zu akzeptieren und zu befolgen, ist letztendlich die Befriedigung seiner Grundbedürfnisse. Neben der Freiheit ist hier vor allem die Selbstachtung zu nennen, das Ausbleiben von entwürdigenden Zwängen, wie sie unter anderem die Sozial- und Integrationsgesetzgebung der Staaten mit sich bringt. Sodann ist die Geborgenheit ein zwar selten empfundenes, gleichwohl unverzichtbares Bedürfnis des Menschen. Nachbarschaft ist in Verruf geraten, weil sie lästige Beobachtung mit sich bringt. Sie sorgt aber dafür, daß so manche Versuchung in den Gedanken verdämmert. Auf längere Sicht, und das ist entscheidend, erträgt der Mensch Vereinsamung nicht, erleidet er die Verhaltensstörungen, die zum Kennzeichen des Staatsbürgers geworden sind.
Hier schließt sich der Kreis. In den urtümlichen Gesellschaften der Jäger und Sammler sowie der Nomaden und Kleinbauern, die es heute in Nischen noch gibt, mußte niemand jene Bedürfnisse entbehren. Hier war und ist die Kriminalitätsrate und das Auftreten psychischer Krankheiten gering. Auch die Isländer, Dithmarscher und Eidgenossen blieben in ihrer freiheitlichen Zeit von seelischen und materiellen Mangelerscheinungen weitgehend verschont.
Nun wird bezweifelt, daß die eingetretene Vermassung zurückzudrehen ist. Dieser Auffassung steht entgegen, daß sich, wo dies möglich ist, umgehend geschlossene Gemeinschaften bilden, selbst und gerade in Ballungsräumen und sogar in Slums. Doch letztlich ist zu fragen, wohin die Isolation in der Masse führt, ob ihre Beendigung nicht eine Lebensnotwendigkeit ist.
Eine nicht unwichtige Bemerkung am Rande. Ökonomen stellen fest, daß ein hohes „Sozialkapital“, das aus der überwiegenden Befürwortung des gelebten Systems erwächst, die Kräfte des Marktes und damit die allgemeine Wohlfahrt steigert, was wohl auch kaum anders zu erwarten ist.
Der Aufbau von unten. Das ist die Schöpfungsordnung (E. Brunner).
Die Begebenheit, daß die Staaten nicht leisten, was nötig ist, ist zu offensichtlich, als daß sie nicht wahrgenommen würde. Auch die mit der Fortexistenz der Staaten sich steigernde Gefahr für Leib und Leben ist vielen Menschen bewußt. Was fehlt, ist die Erkenntnis, welche Chance die Selbständigkeit enthält, welchen Vorzug das Sich-Verbitten der Entmündigung erbringt, die Ablehnung der Gängelei, das Setzen von Vertrauen in die Kraft und Wirkung der Eigenständigkeit.
Das menschliche Gemüt sträubt sich gegen radikale Lösungen. Hegel entdeckte die Negation der Negation, die Demokratie erfand den Kompromiß, Muster vergangener Verhältnisse, Verhältnisse, die den overkill nicht kannten..
Für Zwischenlösungen, für das Halbe statt des Ganzen, ist nicht mehr die Zeit. Die Menschheit steht vor ihrer Überlebensfrage. Da heißt es: Alles oder nichts.
Freiheit oder Zwang.
Für die Überzeugung, dem befreiten Menschen müßten Grenzen gesetzt und gewisse Regeln vorgegeben werden, ist aus der Geschichte keine Begründung zu entnehmen. Im Gegenteil, Menschen, die sich von Herrschaft befreit eine eigene Ordnung geben konnten, haben sich (wenn der Staatsgedanke ausblieb oder bewußt desavouiert wurde!) stets sehr vernünftig verhalten und geradezu beispielgebende Verhältnisse geschaffen, Verhältnisse, in denen Entwürdigung, Entmündigung, Entwurzelung nicht stattfand und Krieg sich in Grenzen hielt.
Es spricht nichts dafür, daß heute den befreiten Menschen gesagt werden müsse, was sie zu tun und zu lassen haben. Was sollte sie hindern, für jedes auftretende Problem eine Lösung zu finden? Sodann muß ihnen die Möglichkeit bleiben, wenn die zunächst getroffene Lösung sich nicht bewährt hat oder nicht mehr goutiert wird, eine andere zu suchen und zu finden.
Jene Überzeugung also, bestimmte sie weiterhin das Geschehen, machte ohne Not und Grund die Möglichkeit zunichte, eine wahrhaft freiheitliche Ordnung zu errichten.
Einschränkungen der Freiheit sind nicht nur überflüssig; sie sind verderbenbringend. Schon die erste und kleinste Fessel ist absolut tödlich, weil sie unabwendbar weitere nach sich zieht. Schließlich ist, wenn eine Einschränkung tragbar wäre, nicht einzusehen, warum eine zweite deletär sein soll.
Freiheit, die Zwänge und Pflichten erdulden muß, verdient diesen Namen nicht. Vor allem aber, der Abglanz der Freiheit erbringt keinen Frieden und keine bleibende Ordnung. Was muß noch geschehen, damit diese Erfahrung, diese Wahrheit das Bewußtsein bestimmt?
Nur die Freiheit, ohne wenn und aber, kann uns vor der Selbstvernichtung bewahren. Entweder die Menschheit faßt sich ein Herz und ergreift die Chance, die ihr die Eigenständigkeit bietet, oder es steht schlecht um sie, ihr Zagen wird in Wehklagen münden.
Wir leben in einer großen Zeit. Wir brauchen um Himmels Willen keine großen Männer. Nötig sind kleine Leute, die – den Eidgenossen gleich – mutig ihr Geschick in die eigene Hand nehmen und sich davon durch nichts und niemand abbringen lassen, nicht von einfältigen Staatsprofiteuren, nicht von hochgeistigen Bedenkenträgern.
Seit Dharavi, Stuttgart 21, Tunis, Kairo und Bengasi wissen wir, daß es genügend kleine mutige Leute gibt. Leider fehlt ihnen noch die Erfahrung, daß die Einrichtung Staat das Verhängnis ist. Da steht zu hoffen, daß, wenn sie das begriffen haben, der point of no return noch nicht überschritten ist.

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